Ausgelesen: Schwindelfrei ist nur der Tod. Von Jörg Maurer.

Im achten Band der Krimi-Satire-Wortrausch-Reihe um Kriminalkommissar Hubertus Jennerwein steigt ein Heißluftballon über dem schönen Werdenfelser Tal auf. Darin eine zufällig zusammengewürfelte Schar Passagiere, die sich allesamt nicht wirklich wie glückliche Ballonfahrer verhalten und eher wenig Interesse an Ausblick oder Höhe zeigen. Dazu ein Kommissar, der etwas aus der Spur gerät, nachdem er einen seltsamen Fremden im Gefängnis besucht und eine fast vergessene Geiselnahme, die 1971 gründlich schiefgeht und ihre langen Arme bis in unsere Gegenwart streckt. Wie passt das alles zusammen?

Auch dieses Mal wieder befördert Jörg Maurer den Leser direkt in die bayrischen Alpen und wieder ist es die wunderbare, bildgewaltige und sehr, sehr lustige Sprache, die den Hauptreiz an diesen Krimis für mich ausmachen. Er fabuliert und tanzt und geniesst Wörter und Sätze, und ich vermute, das Schreiben dürfte ihm ebenso große Freude bereiten wie mir das Lesen.

Die Handlung ist dieses Mal ein wenig verschwurbelt, eine Menge Handlungsstränge laufen nebeneinander her, einige der Figuren haben die Grenze zur Karikatur ziemlich selbstbewusst überschritten, genauso wie die Handlung teilweise recht konstruiert daherkommt und man nicht allzu genau hingucken oder hinterfragen sollte. Aber egal! Alles verziehen! Ich hatte eine sehr gute Zeit mit dem Buch und werde auch das nächste auf jeden Fall lesen. Genauso wie ich trotz seltsamer Ereignisse im Heißluftballon meine Fahrt irgendwann auf jeden Fall machen werde!

Bitte beachten Sie, wie ich versucht habe, den Titel fotografisch umzusetzen! (Nein, es ist nicht vom Balkon gefallen, aber es war knapp davor)

Ausgelesen: Felsenfest. Von Jörg Maurer.

„Der Kriminalroman sollte die Oper des schwarzen Humors sein.“ So weit der Autor selbst über seine Bücher, und eigentlich ist dem nichts hinzuzufügen – er erfüllt seine eigenen Anforderungen exakt. Auch dieses Buch aus der Reihe um Kriminalkommissar Jennerwein spritzt nur so vor Satire, treffsicheren Kinnhaken unter alle möglichen Kiefer, sehr abseitigem Humor und einer ungebremsten Lust am Fabulieren. Hier gibt es tatsächlich mal kein besseres Wort, Fabulieren passt perfekt zu den nonchalanten Ausflügen in scheinbar zusammenhanglose Textausflüge in seltsame Randgebiete, die dann in serpentinenartigen Bögen zurück zur Hauptgeschichte mäandern und den Leser glucksend vor Vergnügen und leicht atemlos zurücklassen.

In diesem Fall geht es um ein Klassentreffen, das nicht gut ausgehen wird, soviel ist dem Leser schnell klar. Ein netter, geselliger Ausflug auf einen angenehm zu besteigenden Berggipfel entwickelt sich zu einer Geiselnahme, die nicht alle überleben werden. Hubertus Jennerwein hat nach einem seltsamen Anruf ein seltsames Gefühl, das nicht trügt – es sind seine ehemaligen Klassenkameraden, zu deren Klassentreffen er seit Jahren nicht mehr geht, und sie sind in Not. Wird er helfen können?

Das könnte ein dramatischer Plot sein, und ist es auch, aber mit diesem Schriftsteller außerdem ein großes Vergnügen. Treffsicher und mit sehr spitzer Feder zeichnet er seine Figuren, manchmal sehr grell, aber nicht zu grell, und es beschleicht einen die Ahnung, verdammt, das könnte tatsächlich so passiert sein – oder gerade irgendwo passieren, gerade, weil es so verrückt ist. Dazu der tiefschwarze Humor, bei dem man sich nicht immer sicher ist, ob man nun lachen darf oder doch lieber nicht: Die Kriminalromane von Jörg Maurer sind ziemlich einzigartig. Ich weiß gar nicht, ob sie in andere Sprachen übersetzt wurden, aber auf jeden Fall dürften diese Texte für jeden Übersetzer auf der Kippe zwischen spannender Herausforderung und hoffnungsloser Überforderung stehen. Wie man unschwer erkennen kann, mag ich diese Kriminalromane sehr und freue mich, dass ich noch nicht alle gelesen habe. Außerdem ist Jörg Maurer fleissig – jedes Jahr ein neues Buch, Nachschub ist also garantiert. 🙂