Ausgelesen: Das Auge des Zoltars. Von Jasper Fforde.

Band drei der Drachentöter-Trilogie, und zu meinem allergrößten Bedauern wird es wohl keinen vierten Band geben. Wie kann man als Autor nur so grausam konsequent sein???

Tja. Eventuell kann man meiner Einleitung bereits entnehmen, dass Band drei sehr, sehr gut war, meiner Meinung nach sogar noch ein Tickchen besser als die ersten zwei Bücher der Serie. Der Schauplatz wechselt, Jennifer Strange ist gezwungen, ins benachbarte Königreich einzureisen, das Cambrische Empire, um dort nach dem Auge des Zoltars zu suchen. Der größte Zauberer aller Zeiten, der mächtige Shandar, verlangt von ihr, dort nach dem sagenumwobenen magischen Juwel zu suchen und es ihm auszuliefern. Anderenfalls wird er die letzten zwei lebenden Jungdrachen töten, woraufhin die Zaubereragentur Kazam und alle mit ihr verbundenen Zauberer gegen Shandar antreten, selbstverständlich verlieren und getötet werden würden. Das gilt es zu verhindern, und Jennifer tut, was sie kann. Und das ist eine Menge, angesichts der unbestreitbaren Tatsache, dass sie keine Zauberin ist, über keinerlei Magie verfügt, sondern „nur“ einen festen Willen, Loyalität und einen unbeugsamen Sinn hat für das, was richtig ist.

Das Cambrische Empire ist ein sehr besonderes Königreich, das seine Devisen mit Risikotourismus aufbessert und damit eine nie versiegende Einnahmequelle aufgetan hat, denn gelangweilte Bürger auf der Suche nach dem besonderen Kick wird es immer und überall geben. Für alle Aktivitäten gibt es einen Sterblichkeitsindex, selbst für den Shoppingtrip nach Cambrianopolis liegt er bei 1%, steigt allerdings im Winterschlußverkauf auf 2,2 %. Jennifer wählt  einen Index von 86%, engagiert eine abgebrühte 12jährige als Führerin und macht sich mit ein paar Gefährten auf die Suche nach dem Auge des Zoltars…

Der Abschluß der Trilogie ist ein klein wenig ernster und actionlastiger geraten als seine Vorgänger, was ihn erwachsener daherkommen lässt. Das tut ihm sehr gut, die Figuren haben mehr Schärfe und Charakter als vorher (was den ersten beiden Bänden aber nicht gefehlt hat!). Skurriles Personal bevölkert den Roman, und man ist beim Umblättern nie sicher, was einen erwartet, es kann einfach alles passieren, und, meine Güte, das tut es auch. Ob es Prinzessinnen im Körpertauschmodus sind, Helfende Händchen oder Drachen, die fatalerweise in Gummi verwandelt werden – es gibt nichts, das es nicht gibt. Dazu eine wirklich gute, geradlinig erzählte Geschichte mit einer wunderbaren Heldin – das kann doch einfach nicht der letzte Band gewesen sein!! Oder??

Eventuell fange ich eine Unterschriftenpetition an: Es lebe Band 4 der Drachentöterin-Reihe!

Ausgelesen: Das Lied des Quarktiers. Von Jasper Fforde.

England in der heutigen Zeit, aber in einer anderen Welt: Die Ununited Kingdoms sind eine Ansammlung von kleinen Feudalstaaten mit überwiegend despotischen Herrschern, die höchst seltsame Vorlieben pflegen. Die Zauberer haben einen Großteil ihrer Kräfte verloren und versuchen, sich mit den Resten ihrer Magie irgendwie durchzubringen, sei es durch völlig verrätselte Zukunftsvorhersagen oder das Ausliefern von Pizza mittels mottenzerfressenem, fliegendem Teppich.

Jennifer Strange, Waisenkind, 16 Jahre alt, ist alleinige Managerin von Kazam, einer Zaubereragentur, die magische Dienste vermittelt und in einem mehrstöckigen ehemaligen Hotel residiert, das auch jede Menge Zauberer in Rente beherbergt. In Band zwei versucht sie, den Allgewaltigen Blix, seines Zeichens mit Kazam konkurrierender Zauberer, daran zu hindern, alleiniger Hofzauberer von König Snodd zu werden und damit jede Menge Macht anzuhäufen. Dabei helfen ihr skurrile Gestalten, ein Quarktier, das als tot galt und Perkins, der seit Band eins versucht, ein Date mit ihr zu bekommen. Tragischerweise werden sie immer wieder daran gehindert, was Perkins aber keinesfalls entmutigt.

Band eins fand ich schon ganz wunderbar, witzig, voller wahnsinniger Ideen, trockenem Humor, sehr sympathischer Figuren voller Fehler und Unvollkommenheiten, kurz: Einfach extrem gut. Band zwei ist genauso wunderbar, es ist ein herrlicher Unsinn, der einen grinsen, erstaunt gucken und dann weiterlesen lässt. Die Bücher machen gute Laune, selbst dann, wenn man sich gerade in einem Stimmungsloch befindet. Der Autor schreibt mit leichter Feder wahnwitzige Handlungswendungen und lässt dazwischen immer wieder Seitenhiebe auf unsere realen Verhältnisse los, bei denen man kurz innehält, wieder grinst und weiterliest. Und das alles mit Hauptfiguren, die mutig sind und trotz widriger Umstände stoisch und unbeirrt weitermachen und für ihre Ideale einstehen. Ganz großes Kino. Ich lese schon Band drei (kleine Vorschau: Bisher genauso gut wie die ersten zwei!). Quark!