tick-tack

tick-tack

das fremde Haus tickt vieluhrig
die Zeiger laufen schräg in Wellen
Zeit wird hier in Eiern vermessen
noch siebenunddreißig Dotter
bis zur Rückkehr der Lebendigmacher
ich werde geduldet
das Haus schüttelt die Messerschubladen
raschelt mit trockenem Laub
schickt den eingeborenen Krallenkater
das wlan schnurrt flackernd
ich warte in einem Glas Weißwein
das Haus tickt fremd
tack-tick tick-tack
noch sechsunddreißig Dotter

Noch einmal bin ich für eine Woche ganz woanders… Dieser Beitrag ist vorbereitet, und ich antworte und gucke bei euch, wenn ich wieder da bin. Einen schönen Start in den Spätsommer/Frühherbst wünsche ich euch!

Der Dienstag dichtet! 🙂  Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht. Auch WortgeflumselkritzelkramMutigerlebenWerner KastensFindevogel, die WortverzauberteLyrikfederEin Blog von einem Freund,  NachtwandlerinLindas x Stories, Myriade, Gedankenweberei  und Myna Kaltschnee sind mit von der Partie. Schaut doch mal bei ihnen vorbei, der Dienstag fängt besser an mit ein bisschen Wortzauberei!

in fremden Häusern

seltsamer Gewürzduft
auf der Kommode eine vergessene Haarbürste
kein Messer zu finden
auf dem Weg zum Esstisch
schieben sich andere Leben zur Seite
der Kater fremdelt
ich auch
House-Sitting

Der Dienstag dichtet! 🙂  Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht. Auch WortgeflumselkritzelkramMutigerlebenWerner KastensFindevogel, die WortverzauberteLyrikfederEin Blog von einem Freund,  NachtwandlerinLindas x Stories, Myriade und Gedankenweberei sind mit von der Partie. Schaut doch mal bei ihnen vorbei, der Dienstag fängt besser an mit ein bisschen Wortzauberei!

House-Sitting

House-Sitting

Dein Schweinehund stemmt die Füße gegen den Rücksitz und weigert sich, auszusteigen. Er knurrt dich an. „Wieso müssen wir das tun?!“
„Weil ich will, dass wir es tun!“ Du zerrst an seinen Vorderpfoten, ohne Erfolg. „Los, komm jetzt endlich!“ Du bist mit deinen Nerven am Ende. Es ist sowieso schon alles aufregend, und jetzt das hier, ein renitenter Schweinehund, der unablässig vor sich hin jammert, seit ihr losgefahren seid. Schon beim Packen hat er einen Kommentar nach dem anderen in deine Richtung geschoben und wie ein Windjammer bei meterhohen Wellen vor sich hin geächzt. Du explodierst wie ein Vulkan:“ Steig – jetzt – endlich – aus!!!“
Dein Schweinehund wirft schmollend die Nase in die Luft, steigt aber aus, wobei er ängstlich den Boden mit den Pfoten abtastet, als ob dort Millionen Ohrenkneifer auf ihn warten würden, damit sie ihn zum Abendessen auffressen können. Als er endlich draußen ist, wirfst du die Autotür hinter ihm zu, unnötig laut, aber du hast genug von Zwischentönen.
„Los, nimm deinen Rucksack und komm“, zischst du.
„Du musst nicht gleich so unfreundlich sein“, antwortet dein Schweinehund beleidigt, „ich mach ja schon, was du willst.“ Er starrt die fremde Haustür unbehaglich an.
„Als wir neulich zum Abendessen hier waren, hat es dir gefallen. Was ist jetzt also so schrecklich hier, kannst du mir das bitte mal sagen?“
Dein Schweinehund starrt den Briefkasten an. „Es ist nicht unser Zuhause.“
Du schüttelst den Kopf. „Aber das ist doch gerade das Gute!“
„Was bitteschön ist daran denn gut? Wir kennen uns nicht aus. Es riecht ganz anders.“ Er schnuppert mit säuerlicher Miene am Briefkasten. „Ich muss in einem fremden Bett schlafen! Mein schönes Bett!“ Dein Schweinehund wischt sich mit Herzschmerz im Gesicht eine Träne aus dem Auge.
„Du wirst dich schon dran gewöhnen“, sagst du und schließt die Haustür auf. Er hat recht. Es riecht wirklich ganz anders als bei euch zuhause. Du gibst es ungern zu, aber du bist ganz schön aufgeregt. Wie wird das werden, zwei Wochen ein fremdes Haus mit Hühnern, einem Kater und einem Hamster zu hüten?
„Apropos Kater“, dein Schweinehund steht plötzlich dicht hinter dir und linst in den Flur, „wo ist er?“ Seine Augen funkeln.
„Was haben wir besprochen?“ fragst du ihn drohend.
„Nicht anbellen, nicht jagen, nicht beißen“, leiert dein Schweinehund herunter, aber seine Augen funkeln immer noch.
Du starrst ihn bohrend an. Er versucht, lammfromm auszusehen, hat aber wenig Erfolg damit. Du gehst ins Wohnzimmer, öffnest die Tür zur Terrasse und freust dich zum ersten Mal heute. Am Himmel segeln kleine Sahnewölkchen, der Teich duftet nach Entengrütze und du hörst die Hühner leise gurren.
Du hörst deinen Schweinehund drinnen leise „Miez-Miez-Miez“ rufen. Du willst dich gerade umdrehen und ihn ermahnen, als er schrill aufjault. Mit auf die Nase gedrückten Pfoten kommt er zu dir auf die Terrasse geschossen und versteckt sich hinter deinen Beinen.
„Daf ifft ein Monfterkater da drinnen! Und hier wollen wir sfei Fochen bleiben?“ Er betastet vorsichtig seine Nase, auf der ein tiefer Kratzer glänzt. Der Kater kommt majestätisch aus der Terrassentür und betrachtet euch hochmütig, dann verschwindet er mit hoch erhobenem Schwanz in aller Seelenruhe im Gebüsch. Du grinst breit. Um den brauchst du dir schon mal keine Sorgen zu machen.
„He! Ich bin sferferletst und du grinfst??“ Dein Schweinehund guckt dich entrüstet an.
Schnell sortierst du dein Gesicht. „Nein, natürlich nicht“, beeilst du dich zu sagen, „lass mal sehen. Soll ich ein Pflaster draufmachen?“
„Ja! Aber einf mit Piraten drauf!“
Als du durch die Terrassentür nach drinnen gehst, um ein Pflaster zu suchen, macht sich Erleichterung in dir breit. Du hast schon eine Blaupause für die nächsten zwei Wochen House-Sitting im Kopf. Es gibt einen Pool im Garten. Und einen Stuhl mit Tisch im Grünen.
Das wird wunderbar.

Nachdem ich ja nun tuttokompletto zu spät bin für das Etüdensommerpausenintermezzo II bei Christiane, habe ich mir die Freiheit genommen, acht Wörter auszuwählen, aber keinen erkennbaren Ort unterzubringen. Also für die meisten nicht erkennbar 🙂 . In den nächsten Tagen lasse ich euch ein bisschen teilhaben am House-Sitting. Ich freue mich, dass ich nach so ein bisschen Urlaub bisher wieder Lust habe, etwas zu schreiben. Und es folgen noch zwei Wochen, hurra!