Ausgelesen: Gefrorener Schrei. Von Tana French.

Eine Ermittlerin, die in ihrem eigenen Revier gemobbt und sabotiert wird, ein Fall, in dem wenig so ist, wie es anfangs scheint, Dublin als Spielort – da kann doch eigentlich nicht viel schiefgehen, wenn man Kriminalromane mag, oder?

Naja. Vielleicht doch. Ich habe eigentlich nichts gegen detailreiche Charakterstudien, in der Regel mag ich sie lieber als die Krimihandlung an sich, aber dieses Buch treibt es auf die Spitze. Im Prinzip geht es seitenlang um das komplizierte Innenleben der Ermittlerin, die sich permanent von allen verfolgt fühlt und sich dementsprechend verhält, von Seite zu Seite paranoider wird und zum Schluss nicht einmal mehr ihrem Partner vertraut. Der Fall dient als Aufhänger, was schade ist, denn er ist sehr schön aufgebaut, hübsch kompliziert verpackt und wie immer hatte ich bis fast zum Schluss keine Ahnung, was da läuft, aber das ist normal, weil ich die schlechteste Ermittlerin aller Zeiten bin und auch bei Fernsehkrimis nie weiß, wer es war. Also zum Schluss dann schon, nach der Aufklärung. 🙂

Hier aber gerät der Fall in den Hintergrund, manchmal fragt man sich zwischendurch, worum ging es da noch gleich? Erschwerend kommt hinzu, dass mir die Ermittlerin höchst unsympathisch war und im Laufe des Buches immer noch unsympathischer wurde. Allerdings ist das Geschmackssache, würde ich vermuten. Trotzdem habe ich mich bis zur Mitte des Buches durchgekämpft, weil es sehr gut geschrieben ist und ich immer gehofft habe, irgendwann würde die Verfolgungsparanoia weniger werden, aber so war es nicht. Ab der Mitte habe ich großzügig geblättert und bin dann am Ende bei der Aufklärung noch einmal hängengeblieben (typisch, ich hatte mal wieder keine Ahnung!). Und dann war ich ein wenig erleichtert, dass ich es durch hatte. Was wirklich schade ist, denn Tana French kann wirklich schreiben, aber dieser Plot war nicht meiner. Vielleicht beim nächsten Buch wieder.

Und übrigens habe ich mal wieder keinerlei Ahnung, was Titel und Cover mit der Geschichte zu tun haben könnten. Nichts, wie ich vermute.