Das Fischhuhn

Das Fischhuhn

Ich betrachte mit liebevollem Blick das Fischhuhn, das schwer und bedächtig vor mir auf dem Tischozean schaukelt. „Guck mal“, sage ich zu Gott, „ist es nicht hübsch?“
„Doch, ja“, sagt Gott.
„Mich wundert, dass es nicht untergeht“, sage ich, „Ton schwimmt ja eigentlich nicht in Wasser. Oder?“
„Nein“, sagt Gott, „tut er nicht.“
Eine kleine Weile lang betrachten wir nachdenklich das Fischhuhn. Es dümpelt auf dem Tisch herum und betrachtet sein Ebenbild im Wasserspiegel.
„Wieso geht es nicht unter?“ frage ich schließlich hartnäckig.
Gott stützt sein Kinn in die linke Hand. Das Fischhuhn schüttelt seine Flossenfedern. „Du glaubst daran, dass es schwimmen kann. Also kann es schwimmen“, sagt er.
„Ach“, sage ich. Vorsichtig stupse ich das Fischhuhn mit dem Zeigefinger an. Es gackert entrüstet und hackt mit dem Schnabel nach mir, dann paddelt es in die am weitesten entfernte Ecke des Tischozeans und dreht mir den Rücken zu. „Was wäre, wenn ich nicht mehr daran glauben würde, dass es schwimmen kann?“
„Probier´s aus“, sagt Gott.
Ich gebe mir Mühe. Schließe meine Augen und strenge mich sehr an. Dann öffne ich sie wieder. Das Fischhuhn schwimmt auf der Ecke des Tischozeans und versucht, über die Kante nach unten zu gucken. „Es geht nicht“, sage ich. „Ich kann nicht aufhören, daran zu glauben.“
„Tja“, sagt Gott, „manchmal ist das so. Da geht es dir wie mir.“
„Echt?“ frage ich.
Gott nickt. Das Fischhuhn steht mit einer Krallenflosse auf der Tischkante und schwankt bedrohlich.
„Was meinst du“, fragt Gott, „kann es fliegen?“
„Ich weiß noch nicht“, sage ich, „ich bin gespannt.