Melancholie

du kannst es spüren
sacht schleicht sie sich an

umfließt deine Knöchel
steigt hoch in die Beine
zieht die feinen Härchen glatt
hängt sich an deine Gelenke
kriecht in den Hals
färbt deine Gedanken

alles wird anders
schwerer
deine Fersen kleben am Boden
deine Seele mit Spinnweben verhangen
der Luft die du atmest ist zäh

der Boden
dein Grund
auf dem du stehst
ist schwammig
uneben
gibt nach

du fällst

in dich
unter den Boden der Seele
siehst aus deinen Augen
die Dinge sind dichter
dunkler

Menschen sagen Geräusche
sie hallen in dir
werfen sich grau von Wand zu Wand
selten
ein Aufblitzen von Licht

du hörst
das Ächzen der Haut
rauschende Wolken
im vorbeifliehen

du siehst
das Fließen der Luft
und
Wirbel die die Vögel schlagen
in ihr
wie Sahne

du spürst
dein tosendes Blut
um die Wände deiner Seele spülen
wie Zellen sich teilen und sterben
die Einmaligkeit deiner Existenz
ihre Vergänglichkeit

du bist unsterblich
hoffnungslos

von Göttlichem durchdrungen
verlassen

während du atmest
die scharfsilberne Luft dich durchdringt
weißt du nie

ob du sie weise fürchtest
oder herbeisehnst

die Melancholie

Das ist ein älteres Gedicht aus einer ausgesprochen emotionalen Phase. Schon seltsam, wenn man ältere Sachen noch einmal liest: Auf der einen Seite mag ich es immer noch, auf der anderen Seite: Herrje, ich habe da ganz schön in Weltschmerz gebadet… 🙂

Der Dienstag dichtet! 🙂  Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht. Auch WortgeflumselkritzelkramMutigerlebenWerner KastensFindevogel, die Wortverzauberte, Lyrikfeder, Ein Blog von einem FreundNachtwandlerin und Lindas x Stories sind mit von der Partie. Schaut doch mal bei ihnen vorbei, der Dienstag fängt besser an mit ein bisschen Wortzauberei!