Ausgelesen: Das Mädchen mit den gläsernen Füßen. Von Ali Shaw.

Ach, und es fing so gut an. Als ich dieses Buch in der Bibliothek entdeckte, dachte ich: Oh! Was für ein schönes Buch! Warum habe ich das denn noch nie vorher gesehen? Und als ich die ersten Seiten las, dachte ich: Oh! Das fängt aber gut an! Schöne Sprache, spannender Anfang, wie geht´s weiter? Und ich habe es mitgenommen.

Zuhause dann überkam mich eine leichte Skepsis, das Buch und ich haben uns gegenseitig kritisch angeguckt, irgendwie wurden wir nicht miteinander warm. Dann habe ich es schließlich doch weitergelesen. Die Sprache: Weiterhin traumhaft schön, der Autor webt mit seinen poetisch verhangenen Sätzen eine graue, vernebelte Inselgruppe, auf der es entweder eiskalt ist oder regnet, und selbst wenn die Sonne scheint, wird es niemals warm, weder innerlich noch äußerlich. Ida, eine der beiden Hauptpersonen, ist es ebenfalls kalt ums Herz, sie hat ein angsteinflößendes Geheimnis, das sie auf St. Hauda´s Land ergründen will – ihre Füße werden zu Glas. Bei der Suche nach einem geheimnisvollen Mann, der ihr vielleicht helfen könnte, trifft sie Midas, einen introvertierten jungen Mann, der die Welt lieber durch den Sucher seiner analogen Kamera sieht als direkt und als Aushilfe in einem Blumenladen arbeitet. Langsam und mit Hindernissen freunden sie sich an, bis es Liebe wird. Aber Idas Glas wächst weiter…

(Achtung, Spoiler!)

Soweit, sogut. Gestört hat mich im Laufe des Lesens, dass das Buch auf der Stelle tritt. Es ist immer alles dunkel, der Nebel ist überall, das Glas wächst unaufhaltsam weiter, niemand kann helfen, alle sind in ihre eigenen Schwierigkeiten verstrickt, je mehr aufgedeckt wird, desto schlimmer wird es. Man könnte beim Lesen glatt in eine Depression verfallen. Und das Ende! Grauenhaft! Ich weiß, es kann nicht immer und überall ein Happy End geben, aber so??? Puh. Ich meine, Autoren sind natürlich immer und überall frei zu tun, was sie tun müssen, aber der Leser hat auch das Recht, sauer zu werden. Und das war ich. Meine Güte, wer so schön schreiben kann, könnte dem Leser doch zumindest ein kleines Fünkchen Hoffnung lassen, oder? Nichts da. In diesem Buch gibt es zwar völlig grundlos wundervolle, geflügelte Ministiere, aber null Hoffnung. Ich merke gerade, ich bin immer noch sauer, auch wenn es schon ein bisschen her ist, dass ich das Buch gelesen habe. Der Gerechtigkeit halber muss ich noch erwähnen, dass Midas sich doch weiterentwickelt und es schafft, zumindest halbwegs neue Wege zu gehen. Aber das hat mich nicht sonderlich getröstet.

Also. Wir haben hier ein Buch, geschrieben in sehr schöner, traumverlorener Sprache, die wunderbare schwarz-weiß-graue Bilder malt, eine schöne, phantasievolle Geschichte, die allerdings teilweise auf der Stelle tritt, depressive Schübe auslöst und definitiv kein Happy-End hat. Wer es lesen will, lese es. Ich habe ihn gewarnt.

So ein schönes Cover… tja.