Ausgelesen: Das dunkle Archiv. Von Genevieve Cogman.

Band vier aus der der Reihe „Die unsichtbare Bibliothek“, und Irene kommt einfach nicht zur Ruhe: Dieses Mal wird sie von einer dubiosen Drachenfrau beauftragt, ein seltenes Buch zu beschaffen, das der Drachin einen hohen Posten in der königlichen Hierarchie sichern soll. Doch Irene weigert sich: Die Bibliothek ist seit Ewigkeiten neutral und darf sich auf niemandes Seite stellen. Doch der Auftrag ist ebenso verlockend wie gefährlich und kann kaum ausgeschlagen werden, wenn die Aufforderung zur Suche von einem Drachen kommt. Damit niemand in Versuchung gerät, beschließt Irene, zusammen mit ihrem Lehrling Kai selber danach zu suchen und es in den Besitz der Bibliothek zu bringen, um die Neutralität zu gewährleisten. Auf der Suche danach geraten sie in eine Welt, die der Prohibitionszeit der zwanziger Jahre in den USA verblüffend ähnlich ist, und es dauert nicht lange, bis Kugeln fliegen und Gangster sich gegenseitig belauern…

Auch dieser Band ist wieder in dem trockenen Tonfall geschrieben, der die Reihe für mich zu etwas besonderem macht. Mit leicht gestelzter Sprachwahl werden die absurdesten Situationen beschrieben, man hat immer das Gefühl, it´s very british, egal, ob Irene und Kai sich auf einer wilden Verfolgungsjagd oder in einer Gangsterkneipe befinden, und selbst wenn die Frisur zerrupft oder die Kleidung angesengt wird, bewahrt man doch immer Haltung und Würde. Allein deswegen werde ich Band fünf bestimmt auch lesen.

Was mir in diesem Band nicht so gefallen hat, ist die Unverwundbarkeit, die Irene wie ein Mantel umgibt. Muss diese Frau denn nie schlafen? Oder über blaue Flecken jammern? Oder sich wenigstens ab und zu mal fragen, ob ihre Loyalität der Bibliothek gegenüber überhaupt gerechtfertigt ist? Ich meine, jeder Mensch braucht doch mal eine Pause, oder? Dummerweise sind Pausen in Büchern schlecht vermittelbar, daher sind wir Leser vermutlich schuld daran, dass Irene sich nie ausruhen darf. Vielleicht sollten wir eine Petition starten: Mehr Schlaf für Irene! Auch nicht so gut gefallen hat mir die Beschreibung der Drachenwelt, aber das ist vorprogrammiert bei einer sehr abstrakten Welt, die sich jeder anders vorstellt. Trotzdem – das Venedig der Elfen war gelungener.

Ich bin gespannt, wo die Reise hingeht in Band fünf, zurück sollte es nicht sein, ich glaube, da wäre ich enttäuscht. Vielleicht wieder ein bisschen mehr in Richtung Steampunk, das wäre doch nett, und Luftschiffe kann es doch nie genug geben in Büchern, oder? Ich hoffe, die Autorin lässt uns ein paar geheimnisvolle Orte und erklärt sie nicht alle, denn die meiste Magie entsteht in Rätseln, die nicht aufgelöst werden. Die Bibliothek zum Beispiel hätte ich gerne weiterhin unendlich in alle Richtungen wabernd und weitestgehend menschenleer. Mal sehen, ob mein  Wunsch erfüllt wird.