Schuhe, Träume und Chaos

Heute Nacht habe ich geträumt. Es gab ein Schuhangebot, Schuhe für ganz günstig und sogar umsonst, und plötzlich hatte ich Schuhe, viele, sehr viele, sie bedeckten den Boden, die Tische, sie lagen übereinander in mehreren Schichten, und ich? Ich fand sie alle seltsam unschön und wollte sie gar nicht haben. Bis auf ein paar Ausnahmen, aber die verhielten sich wie die Nadel im Heuhaufen, ich fand sie nicht wieder. Dann waren plötzlich Menschen zu Besuch, die ich nicht kannte oder lange nicht gesehen hatte, und die sollten sich Schuhe aussuchen und mitnehmen, aber sie hatten keine Lust dazu. Dann fingen alle an, aufzuräumen, aber das Chaos wurde nur größer, der Ausfluss verstopfte, weil sie die Suppe da hineingossen (wo kam die Suppe her? Warum Suppe?) und der Kuchen (Kuchen??) stand überall zwischen den Schuhen herum und alles war vollgekrümelt und dann bin ich wach geworden und musste mich vergewissern, dass ich keinem nächtlichen Schuhkaufwahn erlegen bin und nur meine üblichen paar Paare herumstehen und auch ansonsten kein Chaos herrscht. Bin leicht verwirrt in den Tag gegangen. Frage mich, ob ich heute Suppe essen und Schuhe kaufen gehen soll, oder was mein Unterbewusstsein mir sonst damit sagen will.

Dein Schweinehund zieht um

Du stellst die Tasse mit heißem Kaffee auf das Tablett, gießt Milch dazu und legst Schokokekse auf einen Teller, dann trägst du das ganze zum Sofa. Vorsichtig setzt du dich neben die Decke und wedelst den Kaffeegeruch in Richtung Decke.
Nichts.
„Hör mal“, sagst du, „so schlimm ist es doch auch nicht. Wir schaffen das schon. Guck mal, es gibt Schokokekse.“
Die Decke atmet schwer.
„Und Kaffee“, sagst du und pustest den Kaffeedampf über die Decke.
Die Decke atmet lauter, dann schiebt dein Schweinehund den Kopf hervor und sieht dich anklagend an. „Wie kannst du mir das antun?“ fragt er mit matter Stimme. Sein Fell ist zerzaust. „Magst du mich denn gar nicht?“
„Ach Quatsch, ich mag dich sehr, deswegen ziehen wir ja um.“
Dein Schweinehund heult auf. „Nenn dieses Wort nicht! Ich kriege Kopfschmerzen davon!“
„Tschuldigung. Keks?“
Dein Schweinehund ignoriert die Kekse. Ein schlechtes Zeichen. „Ich kann nicht essen, wenn uns so schlimme Zeiten bevorstehen! Weisst du noch, beim letzten Mal, als wir umge… den Ort gewechselt haben?“ Er jault leise. „Das war schlimm! Alles durcheinander! Überall noch Sachen, die wir vergessen hatten einzupacken! Und wir haben den Keller vergessen! Komplett! Und als alle dachten, wir wären fertig, mussten wir noch den Keller verpacken!“ Er jault lauter. „Und dann die ersten Wochen in der neuen Wohnung, es war schrecklich, wir haben uns kaum getraut, vor die Tür zu gehen!“
„Du übertreibst. Wir haben bloß ein bisschen gebraucht, um uns einzugewöhnen, das ist alles.“
Dein Schweinehund schüttelt kummervoll den Kopf. „Wenn du das glauben willst…“ Er schüttelt die Decke ab und setzt sich aufrecht hin. „Überleg doch mal: Wir müssen packen. Kartons besorgen. Streichen. Und dafür die Farbe kaufen. Welche Farben überhaupt? Willst du etwa wieder so komplizierte Dinge mit den Wänden machen? Und wer trägt die Waschmaschine? Die ist doch viel zu schwer für uns! Und wie konntest du bloß zustimmen, in den zweiten Stock zu ziehen?“ Er wedelt hektisch mit den Pfoten und zeigt auf alles mögliche. „Wir müssen alles hochtragen! Und vorher runter!“ Er zerwühlt verzweifelt sein Fell unter den Ohren.
„Ganz ruhig“, versuchst du ihn zu beruhigen. „Wir haben ja Hilfe. Das klappt schon. Eins nach dem anderen. Wir haben genügend Zeit für alles.“
Dein Schweinehund lässt sich der Länge nach aufs Sofa fallen. „Wir werden untergehen. Es wird ein Chaos. Du wirst mich auf dem Weg zur neuen Wohnung verlieren!“ Er starrt dich an. „Wo ziehen wir hin? Ich brauche die Adresse!“
Du verziehst keine Miene. „Du kennst den Weg, mein Lieber.“
„Aber was, wenn ich ihn vergesse!“
„Dann rufst du mich an.“
„Ich habe kein Handy!“ Er sieht dich anklagend an. „Du wolltest ja nicht, dass ich ein eigenes Handy bekomme!“
„Das haben wir doch schon hundertmal besprochen.“ Jetzt seufzt du. „Hör mal. Ich vergesse dich nicht, du wirst den Weg finden, wir werden das schaffen. Ich versprech es dir. Kaffee?“ Du hältst deinem Schweinehund die Tasse hin.
„Ist der koffeinfrei? Du weisst doch, wie schnell ich mich aufrege.“
Du starrst deinen Schweinehund bohrend an. Er nimmt die Tasse und schlürft geräuschvoll. „Danke. Das hab ich gebraucht. Sind die Schokokekse mit Karamell?“
Du nickst.
Dein Schweinehund nimmt einen Keks und beisst hinein. „Tschuerst kümmern wir unsch aber um meine Decken, ja? Die kommen als erschtes in die Kartonsch.“
„Das können wir machen. Dann bist du aber auch der Erste, der hier keine Decken mehr hat.“
„Oh.“ Dein Schweinehund starrt dich mit halbgegessenem Keks in der Pfote entsetzt an.
Du grinst. „Du kannst eine von meinen haben.“
Dein Schweinehund atmet geräuschvoll aus, ein paar Krümel fliegen durch die Luft. „Isch hasse umziehen.“
„Ich weiß.“ Du nimmst dir einen Keks. „Und jetzt lass uns über Farbkonzepte reden. Was hältst du von gelb-orange im Wohnzimmer?“
Dein Schweinehund stöhnt leise.

Die ersten Bücher, die neue Wege gehen durften.