Mein Balkon Ende März

Heute besuche ich meinen Balkon. Er war schon den ganzen Winter über allein, ich weiß das, denn ich war auch oft allein. Manchmal auch einsam, aber meistens nur allein.
Meine Socken werden ein bisschen feucht, als ich ihn betrete. Mein Balkon entschuldigt sich, er könne nichts dafür, es hätte in den letzten Tagen viel geregnet, er würde sein Bestes tun, die Nässe loszuwerden, aber mit diesen alten Steinfliesen, es sei nicht einfach…
Ich beruhige ihn. Es ist interessant, die Nässe an den Füßen zu spüren. Ich strenge mich an und lasse ein paar Wurzeln aus meinen Zehen sprießen. Sie graben sich zwischen den Steinplatten ein. Es kitzelt an den Zehen. Oh, sagt mein Balkon überrascht, dann sagt er nichts mehr.
Wir betrachten gemeinsam den Himmel, der heute grauweißblau dahinfliegt, jederzeit bereit, noch mehr Regen fallen zu lassen. Der Rosmarin blüht. Vielleicht hat der Lavendel überlebt. Ich könnte nachsehen, aber ich lasse es. Manche Überraschungen muss man sich für später aufheben.
Der Wind fährt über meine bloßen Unterarme und ich fröstle und betrachte das Moos am Rand der Steinplatten. Hübsch, nicht? fragt mein Balkon stolz und ich nicke. Der grüne Glasfisch schwimmt unverdrossen seine Runden, ihm ist es egal, welches Wetter gerade ist. Er ist unabhängig.
Schön ist es bei dir, sage ich und atme die Luft tief ein. Mein Balkon dehnt sich auf das Doppelte seiner normalen Größe. Alte Schmeichlerin, flüstert der Zwerg mit der blauen Mütze, aber er grinst dabei. Er wohnt immer noch unter der Stachelbeere, die im Moment ziemlich kahl aussieht. Das habe ich gehört! zischt sie, um dann beleidigt weiter zu dösen. Ohje. Das wird ein Gemetzel im Sommer beim Pflücken geben. Selbst schuld, murmelt mein Balkon, du weisst doch, wie empfindlich sie ist. Und immer noch nicht die Hellste, murmele ich fast unhörbar zurück. Dann schweigen wir wieder. Der Himmel rast über uns hinweg. Das Leben könnte schlechter sein.