Himbeermond

Himbeermond

zwischen unseren Gedanken
unter all dem täglichen Gewühl
verbirgt sich eine fremde schöne Welt
dunkle Quellen wispern dort vom Meer
im Mondschein singt der Silbervogel
aus gewirktem blassen Morgennebel
baun die blauen Feen ihr Nest
sie warten auf die purpurrote Sonne
heiße Feuerdrachen spieln darin
ziehen gleißend helle Feuerbögen
auf weichen Feldern ruht der Nachtwind
träumt von kühlen Nächten
unterm schweren Himbeermond

Möglichkeiten

Aufstehen oder liegenbleiben?

Entdecken oder hierbleiben?

Café oder Holzbank?

Cappuccino oder Latte Macchiato?

Kirsch- oder Kaktuseis?

Promenade oder Wassersaum?

Schuhe aus oder Schuhe an?

Einkaufen oder Bootshafen?

Matjes oder Butterfisch?

Bon riskieren oder zurückgehen?

Direkt nach Haus oder am See entlang?

In der Sonne sitzen oder kochen?

Schlafen oder …

Entschieden!

 

Herr Wirt! Frau Wirtin!

Betten, Bad und Luft sind hier vorzüglich.

Ganz grandios das Spiegelei zum Frühstück!

Aber eins muss ich bemängeln:

(Und ich will hier niemand gängeln)

Eure Mücken lasst ihr hungern,

ich seh sie ganztags lungern

mit großem Appetit,

und ich fürchte, es gibt mich

im Frühstücks-, Mittags-, Abendlicht!

Bedingungen

Was tun

wenn wir Gott einladen
in unsere kleine Welt
und ihn bitten
hereinzukommen
und Platz zu nehmen
und ihm Kuchen und Tee anbieten
um im Gegenzug
Garantien zu erhalten
für
die Erhaltung unserer Welt
sichere Mauern
Geborgenheit für uns
immerwährende Versorgung mit Kuchen und Tee

und er kommt nicht

Urlaub, was ist das eigentlich?

Vielleicht so:

morgens aufstehen und keine Aufgaben haben
barfuß laufen, auch wenn es regnet
Ameisen beobachten
lesen – mehr lesen – noch mehr lesen
sich auf einen Fleck setzen und da so lange bleiben, bis einem die Beine einschlafen
neue Sommerkleider ausführen
seltsame Eissorten probieren
Seewasser zwischen den Zehen
Sommergedichte auf Postkarten schreiben
viel lachen
sehr viel schlafen
in fremde Kirchen gehen
dankbar sein
sich auf den vertrauten Alltag freuen

Sommer

Es ist hell
Die Sonne scheint tief
Knallblau leuchtet der Himmel
Amselgesang auf der anderen Hausseite
Zwei Querstraßen weiter rauscht der Verkehr
Getunte Auspüffe röhren vom Sommer
Unter meinem Balkon wird türkisch gespielt
Drei kleine Mädchen tauschen sich aus
Ihr Papa ist lauter
Blätter rascheln im Baum neben mir
Schatten fällt auf meinen Bildschirm
Deutscher Slang fährt Fahrrad
Eine Wespe summt vorbei
Krähengeschrei vorm Schlafengehen
Lebendiger Balkon

Nach dem Gottesdienst

Nach dem Gottesdienst

Stimmengewirr auf dem Hof
dicke Wolken schwimmen im blauen Himmel
Schwalben segeln über Dachfirste
vorn am Tor rauscht der Landstraßenverkehr
Leute tapsen übers bucklige Kopfsteinpflaster
am Rosenstrauch reden zwei Frauen
jemand trägt benutztes Geschirr davon
ein paar Leute verabschieden sich zum dritten Mal
Autos holpern zur Straße und verschwinden im Sonntag
der schwarze Hund auf den Stufen gibt vor zu schlafen
die Tasche in meiner Hand zieht an mir
Aufbruchstimmung