Urlaub, was ist das eigentlich?

Vielleicht so:

morgens aufstehen und keine Aufgaben haben
barfuß laufen, auch wenn es regnet
Ameisen beobachten
lesen – mehr lesen – noch mehr lesen
sich auf einen Fleck setzen und da so lange bleiben, bis einem die Beine einschlafen
neue Sommerkleider ausführen
seltsame Eissorten probieren
Seewasser zwischen den Zehen
Sommergedichte auf Postkarten schreiben
viel lachen
sehr viel schlafen
in fremde Kirchen gehen
dankbar sein
sich auf den vertrauten Alltag freuen

Sommer

Es ist hell
Die Sonne scheint tief
Knallblau leuchtet der Himmel
Amselgesang auf der anderen Hausseite
Zwei Querstraßen weiter rauscht der Verkehr
Getunte Auspüffe röhren vom Sommer
Unter meinem Balkon wird türkisch gespielt
Drei kleine Mädchen tauschen sich aus
Ihr Papa ist lauter
Blätter rascheln im Baum neben mir
Schatten fällt auf meinen Bildschirm
Deutscher Slang fährt Fahrrad
Eine Wespe summt vorbei
Krähengeschrei vorm Schlafengehen
Lebendiger Balkon

Nach dem Gottesdienst

Nach dem Gottesdienst

Stimmengewirr auf dem Hof
dicke Wolken schwimmen im blauen Himmel
Schwalben segeln über Dachfirste
vorn am Tor rauscht der Landstraßenverkehr
Leute tapsen übers bucklige Kopfsteinpflaster
am Rosenstrauch reden zwei Frauen
jemand trägt benutztes Geschirr davon
ein paar Leute verabschieden sich zum dritten Mal
Autos holpern zur Straße und verschwinden im Sonntag
der schwarze Hund auf den Stufen gibt vor zu schlafen
die Tasche in meiner Hand zieht an mir
Aufbruchstimmung

Nützlich

mache – plane – baue – verwirf es wieder – wüte – verzweifle – lache – konzipiere neu – führe durch – triumphiere – verausgabe dich – wisch die Müdigkeit beiseite – freue dich – feiere – arbeite so hart du kannst

tu das alles
es ist gut und nützlich
nur wertvoll
macht es dich nicht

wertvoll
bist du allein
weil du atmest

tut mir leid

tut mir leid
da war etwas in deinen Augen
ein helles Licht
ein Funkeln und Strahlen
es erschien mir merkwürdig
ich sah die Schatten
die es warf
und die wirren Muster
an der Wand
es machte mir Angst
da erschlug ich es
jetzt ist es dämmrig
und sehr still
tut mir leid

Subjektive Weihnachtsliste

Was ich an Weihnachten mag

den Moment, nachdem man sich für einen Weihnachtsbaum entschieden hat
wenn die Wohnung nach Karamellkeksen duftet
ein Geschenk finden, bei dem man sich nicht sicher ist, ob man es nicht doch lieber selbst behält
durch fremde Fenster spicken und geschmückte Tannenbäume suchen
alte Geschichten
neue Geschichten
Kerzen jeder Art
im Dunkeln auf dem Land Auto fahren und Lichter gucken
sich auf Menschen freuen

Was ich an Weihnachten nicht mag

zuviele hektische Menschen auf einem Fleck
lieblose Gaben
wenn schon vor den Weihnachtstagen von Silvester gesprochen wird
Jahresrückblicke im November
Einsamkeit
dunkle Fenster an Heiligabend

Was ich mir an Weihnachten wünsche

weniger Erwartungen
mehr Erwartungen (aber andere)
Zeitstillstand für ein oder zwei Tage. Besser drei Tage.
überfüllte Kirchen
Weihnachtslieder im Gottesdienst, die jeder kennt
Weltfrieden

weihnachtswichtel

morgens

der Morgen hängt schwer in den Gliedern
das Licht zu grell die Zeitung zu laut
brüllend rasen Autos und Straßenbahnen
hektische Menschen überall
ihre Absätze knallen
Fahrräder drängeln
selbst die Krähen sind schlechtgelaunt
heute ist ein Tag für Umwege
ich trotte die ruhigere Straße entlang
nehme alle Biegungen im Park
meide Kopfsteinpflasterstraßen
suche den Mann mit dem Akkordeon
der immer schon am Morgen spielt
stoppe kurz am blattübersäten Teich
links unten am Himmel
zwischen all den dunklen Wolken
ein Hauch von Rosa
gleich ein heißer Tee mit Milch
der Tag wird besser

Gesamtkunstwerk

sie kommt mir entgegen
dass es nur so glitzert
die Farbe auf ihr
wie spitze Schreie am Morgen
ein Gesamtkunstwerk

ein wenig Spott steigt in mir auf
muß das sein?
am Morgen?

als ich bemerke
dass ich sie bemerkt habe
und überlege, wieviel Mühe sie sich
heute mit dem Tag gegeben hat
und wieviel Mühe ich
erstirbt mein Spott

sollte nicht jeder Tag ein Gesamtkunstwerk sein
und ich ein bunter Teil davon?