Himbeermond

Himbeermond

zwischen unseren Gedanken
unter all dem täglichen Gewühl
verbirgt sich eine fremde schöne Welt
dunkle Quellen wispern dort vom Meer
im Mondschein singt der Silbervogel
aus gewirktem blassen Morgennebel
baun die blauen Feen ihr Nest
sie warten auf die purpurrote Sonne
heiße Feuerdrachen spieln darin
ziehen gleißend helle Feuerbögen
auf weichen Feldern ruht der Nachtwind
träumt von kühlen Nächten
unterm schweren Himbeermond

ich freu mich

ich freu mich

mit einem RUMMS!
bin ich vorm platzen
voll mit glück
das rumpelt und hüpft
glubbert und zischt

das rinnt an mir hinauf und hinab
honigduftend
schmeichelwarm

innen durchglüht es
schokogolden
feuerzangenheiß
singend und knisternd
meinen seelenhain

breit macht sich das glück
schlägt kleine gänsehautwellen
in meinen bauchnabel
wallt in den haaren
kitzelt langfingrig
allüberüberall

in goldenem glirren
mit einem kichern löst es sich auf
lässt mich zurück
schlackrig
mit flattrigem haar
im nächsten atemzug
ein mundvoll goldstaub

ich freu mich

Die Wiese

Du denkst, es ist nur eine Wiese.

Ein bißchen Gras mit Mücken.

Ein Bach, zu klein, um drin zu baden.

Hier ist doch nichts!

Die Wiese stellt sich taub.

Grüngolden träumt sie neben klarem Wasser.

Die Sonnenbank am Bach verführt:

Nur kurz die Augen schließen…

In leichte, feine Netze wirst du eingewoben.

Hundert kleine Herzen schlagen neben dir,

Sanftes Rauschen trägt die leisen Stimmen weit empor.

Sieh! Trieb nicht gerad ein Walnußschalenboot vorbei?

Mit eichelfarbnem Segel?

Was ist das für ein Tor im Schilf dort vorn?

Hängt da nicht ein Ausguck in den Zweigen?

Sei wach. Und alle kleinen Wiesendinge werden groß.

Kreuzung

Wohin nun
mit all den Erkenntnissen
Gedanken
leichten und schweren Wörtern
den geschriebenen Gedichten
gesammelten Federn
scharfkantigen Steinbrocken
den bunt glänzenden Erinnerungen
geweinten Tränen
und den Weggefährten
die dich geprägt haben?

Trink einen Espresso
oder zwei
bedenke alles wie es war
wirf die Federn
die Erinnerungen
die Wörter
und die scharfkantigen Steinbrocken
hoch in die Luft
(gib acht dass sie dich nicht treffen)
und geh weiter

Wenn du zurück siehst
wirst du deinen Weg
in der Sonne glitzern sehen

Heute!

 

Heute werde ich die Wolken genießen und mich hinaufträumen.

Den Wind spüren und lachen.

Ich werde barfuß laufen und Erdbeeren essen und lesen.

Vielleicht werde ich eine Blume pflanzen und mich beim Gießen mit ihr freuen.

Ich werde ein langes Nickerchen machen und langsam aufwachen. Mir die Schwere meiner Lider gönnen.

Ich werde keine Nachrichten hören.

Wenn ein Marienkäfer vorbeikommt, werde ich Zeit für ihn haben.

Vielleicht schreibe ich ein kleines Gedicht.

Und dankbar werde ich sein.

Was mir am Teencamp gefiel (sehr)

willkommen geheißen zu werden

rasend schnelle Helfer beim Zeltaufbau

bei sintflutartigem Regen im Zelt liegen und sich keinen Deut um das Loch kümmern, durch das es hineinregnet

singende (und Häufchen produzierende) Vögel auf meinem Zeltdach als die Sonne aufgeht

morgens  um sechs die Kaffeemaschine für die Mitarbeiter anstellen

der friedliche und einsame Tee um sieben bevor die Meute einfällt

den schattigen, grünbelaubten, weinbergschneckengesäumten Pfad zur Veranstaltungshalle

Morgenandacht im alten Stall auf Sofas inmitten schläfriger Gesichter

in der Sonne kiloweise Kartoffeln schrabben, zuerst zu zweit, dann zu dritt, dann zu viert

Bruno, der Riesenhund, der problemlos einhundert Leute auf einmal lieben kann

Kakao mit Zimt

knallrote Apfelspalten

die experimentelle Tomaten-Rote-Beete-Suppe

Rock´n Roll

das Kühlmoped

die Familie, auf deren Hof wir Chaos veranstalten durften

das Küchenteam

Dankeschön Ü-Eier

Urlaub, was ist das eigentlich?

Vielleicht so:

morgens aufstehen und keine Aufgaben haben
barfuß laufen, auch wenn es regnet
Ameisen beobachten
lesen – mehr lesen – noch mehr lesen
sich auf einen Fleck setzen und da so lange bleiben, bis einem die Beine einschlafen
neue Sommerkleider ausführen
seltsame Eissorten probieren
Seewasser zwischen den Zehen
Sommergedichte auf Postkarten schreiben
viel lachen
sehr viel schlafen
in fremde Kirchen gehen
dankbar sein
sich auf den vertrauten Alltag freuen

Sommer

Es ist hell
Die Sonne scheint tief
Knallblau leuchtet der Himmel
Amselgesang auf der anderen Hausseite
Zwei Querstraßen weiter rauscht der Verkehr
Getunte Auspüffe röhren vom Sommer
Unter meinem Balkon wird türkisch gespielt
Drei kleine Mädchen tauschen sich aus
Ihr Papa ist lauter
Blätter rascheln im Baum neben mir
Schatten fällt auf meinen Bildschirm
Deutscher Slang fährt Fahrrad
Eine Wespe summt vorbei
Krähengeschrei vorm Schlafengehen
Lebendiger Balkon