Vierundzwanzig Dinge, die mich erfreuen

  1. Der erste Schluck Tee am Morgen
  2. Erdnußbuttertoast mit selbstgemachter Marmelade
  3. Neue Deko, jahreszeitlich passend
  4. Fahrradfahren mit Handschuhen, Schal und Mütze und gefrierenden Atemwölkchen
  5. Nebel am Morgen
  6. Zehnminutennickerchen in der Mittagspause
  7. Licht
  8. Konzerte meiner Neffen auf dem Anrufbeantworter
  9. Kerzen
  10. Spürbare Anwesenheit Gottes
  11. Essen mit Freunden
  12. Ein Buch anfangen und nach fünf Seiten merken, dass es wirklich gut ist
  13. Ein Glas eiskaltes Malzbier
  14. Ausgewählte Bilderbücher (die Bilder! die Bilder!!)
  15. Der Abend vor dem ersten freien Tag
  16. Post
  17. Im Winter im beheizten Becken draußen schwimmen
  18. Durch erleuchtete Fenster spicken
  19. Gute Nachrichten von lieben Menschen
  20. Sonntagsnachmittags einschlafen auf dem Sofa
  21. Frische Bettwäsche am Abend
  22. Wieder einschlafen, nachdem man nachts raus musste
  23. Einen Adventskalender bekommen
  24. Das hier: Etwas schreiben.

Ach ja, und natürlich Adventskalenderanweisungen befolgen 🙂

Himbeermond

Himbeermond

zwischen unseren Gedanken
unter all dem täglichen Gewühl
verbirgt sich eine fremde schöne Welt
dunkle Quellen wispern dort vom Meer
im Mondschein singt der Silbervogel
aus gewirktem blassen Morgennebel
baun die blauen Feen ihr Nest
sie warten auf die purpurrote Sonne
heiße Feuerdrachen spieln darin
ziehen gleißend helle Feuerbögen
auf weichen Feldern ruht der Nachtwind
träumt von kühlen Nächten
unterm schweren Himbeermond

ich freu mich

ich freu mich

mit einem RUMMS!
bin ich vorm platzen
voll mit glück
das rumpelt und hüpft
glubbert und zischt

das rinnt an mir hinauf und hinab
honigduftend
schmeichelwarm

innen durchglüht es
schokogolden
feuerzangenheiß
singend und knisternd
meinen seelenhain

breit macht sich das glück
schlägt kleine gänsehautwellen
in meinen bauchnabel
wallt in den haaren
kitzelt langfingrig
allüberüberall

in goldenem glirren
mit einem kichern löst es sich auf
lässt mich zurück
schlackrig
mit flattrigem haar
im nächsten atemzug
ein mundvoll goldstaub

ich freu mich

Die Wiese

Du denkst, es ist nur eine Wiese.

Ein bißchen Gras mit Mücken.

Ein Bach, zu klein, um drin zu baden.

Hier ist doch nichts!

Die Wiese stellt sich taub.

Grüngolden träumt sie neben klarem Wasser.

Die Sonnenbank am Bach verführt:

Nur kurz die Augen schließen…

In leichte, feine Netze wirst du eingewoben.

Hundert kleine Herzen schlagen neben dir,

Sanftes Rauschen trägt die leisen Stimmen weit empor.

Sieh! Trieb nicht gerad ein Walnußschalenboot vorbei?

Mit eichelfarbnem Segel?

Was ist das für ein Tor im Schilf dort vorn?

Hängt da nicht ein Ausguck in den Zweigen?

Sei wach. Und alle kleinen Wiesendinge werden groß.

Kreuzung

Wohin nun
mit all den Erkenntnissen
Gedanken
leichten und schweren Wörtern
den geschriebenen Gedichten
gesammelten Federn
scharfkantigen Steinbrocken
den bunt glänzenden Erinnerungen
geweinten Tränen
und den Weggefährten
die dich geprägt haben?

Trink einen Espresso
oder zwei
bedenke alles wie es war
wirf die Federn
die Erinnerungen
die Wörter
und die scharfkantigen Steinbrocken
hoch in die Luft
(gib acht dass sie dich nicht treffen)
und geh weiter

Wenn du zurück siehst
wirst du deinen Weg
in der Sonne glitzern sehen

Reisepoesie

Gemächlich trank ich den Spezialkaffee, ungeduldig flackerte das Leuchten in der Ferne.

Heute!

 

Heute werde ich die Wolken genießen und mich hinaufträumen.

Den Wind spüren und lachen.

Ich werde barfuß laufen und Erdbeeren essen und lesen.

Vielleicht werde ich eine Blume pflanzen und mich beim Gießen mit ihr freuen.

Ich werde ein langes Nickerchen machen und langsam aufwachen. Mir die Schwere meiner Lider gönnen.

Ich werde keine Nachrichten hören.

Wenn ein Marienkäfer vorbeikommt, werde ich Zeit für ihn haben.

Vielleicht schreibe ich ein kleines Gedicht.

Und dankbar werde ich sein.