Kreuzung

Wohin nun
mit all den Erkenntnissen
Gedanken
leichten und schweren Wörtern
den geschriebenen Gedichten
gesammelten Federn
scharfkantigen Steinbrocken
den bunt glänzenden Erinnerungen
geweinten Tränen
und den Weggefährten
die dich geprägt haben?

Trink einen Espresso
oder zwei
bedenke alles wie es war
wirf die Federn
die Erinnerungen
die Wörter
und die scharfkantigen Steinbrocken
hoch in die Luft
(gib acht dass sie dich nicht treffen)
und geh weiter

Wenn du zurück siehst
wirst du deinen Weg
in der Sonne glitzern sehen

Heute!

 

Heute werde ich die Wolken genießen und mich hinaufträumen.

Den Wind spüren und lachen.

Ich werde barfuß laufen und Erdbeeren essen und lesen.

Vielleicht werde ich eine Blume pflanzen und mich beim Gießen mit ihr freuen.

Ich werde ein langes Nickerchen machen und langsam aufwachen. Mir die Schwere meiner Lider gönnen.

Ich werde keine Nachrichten hören.

Wenn ein Marienkäfer vorbeikommt, werde ich Zeit für ihn haben.

Vielleicht schreibe ich ein kleines Gedicht.

Und dankbar werde ich sein.

Was mir am Teencamp gefiel (sehr)

willkommen geheißen zu werden

rasend schnelle Helfer beim Zeltaufbau

bei sintflutartigem Regen im Zelt liegen und sich keinen Deut um das Loch kümmern, durch das es hineinregnet

singende (und Häufchen produzierende) Vögel auf meinem Zeltdach als die Sonne aufgeht

morgens  um sechs die Kaffeemaschine für die Mitarbeiter anstellen

der friedliche und einsame Tee um sieben bevor die Meute einfällt

den schattigen, grünbelaubten, weinbergschneckengesäumten Pfad zur Veranstaltungshalle

Morgenandacht im alten Stall auf Sofas inmitten schläfriger Gesichter

in der Sonne kiloweise Kartoffeln schrabben, zuerst zu zweit, dann zu dritt, dann zu viert

Bruno, der Riesenhund, der problemlos einhundert Leute auf einmal lieben kann

Kakao mit Zimt

knallrote Apfelspalten

die experimentelle Tomaten-Rote-Beete-Suppe

Rock´n Roll

das Kühlmoped

die Familie, auf deren Hof wir Chaos veranstalten durften

das Küchenteam

Dankeschön Ü-Eier

Urlaub, was ist das eigentlich?

Vielleicht so:

morgens aufstehen und keine Aufgaben haben
barfuß laufen, auch wenn es regnet
Ameisen beobachten
lesen – mehr lesen – noch mehr lesen
sich auf einen Fleck setzen und da so lange bleiben, bis einem die Beine einschlafen
neue Sommerkleider ausführen
seltsame Eissorten probieren
Seewasser zwischen den Zehen
Sommergedichte auf Postkarten schreiben
viel lachen
sehr viel schlafen
in fremde Kirchen gehen
dankbar sein
sich auf den vertrauten Alltag freuen

Sommer

Es ist hell
Die Sonne scheint tief
Knallblau leuchtet der Himmel
Amselgesang auf der anderen Hausseite
Zwei Querstraßen weiter rauscht der Verkehr
Getunte Auspüffe röhren vom Sommer
Unter meinem Balkon wird türkisch gespielt
Drei kleine Mädchen tauschen sich aus
Ihr Papa ist lauter
Blätter rascheln im Baum neben mir
Schatten fällt auf meinen Bildschirm
Deutscher Slang fährt Fahrrad
Eine Wespe summt vorbei
Krähengeschrei vorm Schlafengehen
Lebendiger Balkon

Nützlich

mache – plane – baue – verwirf es wieder – wüte – verzweifle – lache – konzipiere neu – führe durch – triumphiere – verausgabe dich – wisch die Müdigkeit beiseite – freue dich – feiere – arbeite so hart du kannst

tu das alles
es ist gut und nützlich
nur wertvoll
macht es dich nicht

wertvoll
bist du allein
weil du atmest

Heute morgen

Heute morgen um halb acht
– Nase gekraust
weil von Kälte gepiekt –
hüpft eine Schneeflocke
eben auf diese.
Während ich nach oben seh
stirnrunzelnd und prüfend
betrachtend den Himmel
springt sie mir ins Gesicht!
ins finstre.
Spricht kein Wort
liegt einfach da
und ich steh still
und schaue
muß meine Augen verdrehn
um sie zu sehn.
In diesem Moment
kommt ein Kind
sieht mich und lacht.
Gegen meinen Willen
ehrlich! ganz ohne mein Tun
biegen nach oben
meine Mundwinkel sich sacht
(in Richtung der Flocke).
Der Himmel lacht
ich kann es hören
an diesem Morgen
durch graue Wolken hindurch.
Und ich, ich laß die Flocke schmelzen
auf meiner Nase
geh lächelnd meiner Wege
halb acht Uhr morgens
von Kälte umhüllt
mit Sonne gefüllt.

winter

Neujahrsgeschenk

Das hier habe ich geschenkt bekommen, und ich weiß nicht, was schöner ist: Die Aussicht auf Frühling im kalten, trüben, ernüchternden Januar, das Gedicht auf der Blumentüte (beidseitig!!) oder die liebevolle Geste? Oder vielleicht doch die zwei Wunderkerzen, die ich beliebig bei schönen Gelegenheiten funkeln lassen kann?

Herrje. Ich kann mich einfach nicht entscheiden.

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