Tanz kleine Tänzerin

tanz
kleine Tänzerin
bieg dich im Sonnenschein
fang den Wind in grünen Flügeln
streck dich zum Himmel
und wachse
wachse

Sonnenwärme

Sonnenwärme
fliegende Wolken
schwarzer Tee mit Milch
Vogelgesang
Blätter zwängen sich aus ihren Verpackungen
Waldameisen auf Patrouille
Vorjahreslaub knistert
Taubenbalz
Joggerinvasion
zart rauscht die Autobahn
April

Leichtigkeit ist wie ein Wahn

Die Leichtigkeit ist wie ein Wahn. Wenn du in ihr bist, fühlst du dich betrunken, im Wirbel, zehn Zentimeter über dem Boden, alles ist bunt, du streckst die Arme zu beiden Seiten aus und drehst dich, bis du ins Gras fällst, mitten zwischen die Maulwurfshügel, und nicht mal das ist schlimm.

Dann klingt der Wahn ab, du stehst auf und siehst dich vorsichtig um, klopfst deinen Mantel ab und gehst würdevoll geradeaus weiter, als ob nichts gewesen wäre, und nur die Leichtigkeit weiß, dass in deinem Haar links oben jetzt ein Gänseblümchen hängt, das vorhin noch nicht da war.

Wie gut, dass du hinten keine Augen hast.

Regen auf einem Blechdach

Am Wochenende hatte ich ein bißchen Zeit und so habe ich etwas Neues ausprobiert, ein google-Gedicht. Man nehme zwei verschiedene Wörter und gebe sie bei google ein. Aus den Vorschlägen ca. 10 kurze Sätze auswählen, aufschreiben und dann hin- und herschieben. Heraus kam das hier, und obwohl ich seeehr skeptisch war vorher, hatte ich echt Freude daran!

es gilt

es gilt
im Dorngestrüpp
aus schlechter Laune
Überforderung
dem Viel-zu-viel
die kleinen Dinge
zu suchen
gelungenen Kuchen
kurzes Lachen
sich hinsetzen dürfen
nach einem langen Tag
diese Dinge zählen
alles andere
lass hinter dir
blick nicht zurück
Dornenranken wachsen
bei Beachtung

Kreislauf

Wenn ich weniger allein wäre,
dann würde ich mir weniger Fragen stellen.

Wenn ich mir weniger Fragen stellen würde,
dann wäre ich unbeschwerter.

Wenn ich unbeschwerter wäre,
dann hätte ich mehr Lebensfreude.

Wenn ich mehr Lebensfreude hätte,
dann würde ich mehr unternehmen.

Wenn ich mehr unternehmen würde,
dann hätte ich mehr Kontakt mit anderen.

Wenn ich noch mehr Kontakt mit anderen hätte,
dann wäre ich vielleicht irgendwann genervt.

Wenn ich genervt wäre,
dann würde ich mehr Zeit für mich haben wollen.

Wenn ich mehr Zeit für mich hätte,
dann wäre ich öfter allein.

Wenn ich öfter allein wäre,
dann würde ich mich vielleicht einsam fühlen.

Wenn ich mich weniger einsam fühlen würde,
dann würde ich mir weniger Fragen stellen.

Wenn ich mir weniger Fragen stellen würde,
dann wäre ich unbeschwerter.

Wenn

(Der Konjunktiv ist selten die Lösung des Problems.)

Was wir alles nie erfahren werden

Was wir alles nie erfahren werden
oder: Das geheime Leben der Nachbarn

Als da wären:

  • die jährliche Anzahl der Schlafanzugtage
  • wie oft es kalte Pizza zum Frühstück gibt
  • wie viele „komm-gut-durch-den-Tag-Küsse“ verteilt werden
  • wer wen füttert und wie viel daneben geht
  • wo das geheime Schmuckversteck ist
  • wie viele belegte Brote gegessen werden, weil niemand Lust zum Kochen hat
  • wer wann die Nachbarn belauscht
  • wie schrecklich zäh das aus dem Fenster sehen und warten sein kann
  • wie laut das Vermissen in Räumen widerhallt
  • die Menge der geweinten nächtlichen Tränen
  • die Lautstärke der zugeschlagenen Türen
  • wie beängstigend dunkel Abhängigkeit sein kann
  • die Anzahl der Tage, die auf dem Sofa oder im Bett verbracht werden
  • wie viel Sport nicht gemacht wird
  • welche Menge an Schokolade spurlos verschwindet
  • wie oft die romantische Szene im Lieblingsfilm wiederholt wird
  • wie langsam stille Zeit vergeht, begleitet nur vom Ticken der alten Uhr
  • wie zärtlich das Foto des Ehemanns vorm Schlafengehen gestreichelt wird
  • dass die Katze doch ins Bett darf
  • wo es überall Platz für zwei gibt, wenn man frisch verliebt ist
  • wie viele Tagträume geträumt werden und was sie bewirken
  • wer wem die Socken anzieht
  • und wer wem beglückt alles andere auszieht