Winter

Winter

Ich fühle mich wie eine Wiese
die kahl und abgeweidet ist
zu viele Schafe haben zu lange an mir gefressen
wo einst ein bunter Teppich aus Blumen und Halmen
im Sommerwind wehte
Bienen und Schmetterlinge zum Frühstück vorbeisahen
und die Feldlerche hoch in den lauen Himmel stieg
ist jetzt Ödnis
das Gras ist braun und zertreten
die Blumen längst verdaut
selbst die sanften Hügel wurden flachgestampft
Wind zieht über meine bloße Weide
leer und frostig liegt sie da
es ist kalt

aber
im Dunkel spüre ich die Maulwürfe
sie liegen und schlafen und warten
träumen von feuchter warmer Erde und sanften Hügeln
zwischen wispernden Gräsern
von gedämpftem Grillengezirp in dunklen Gängen
ich weiß
ihre Zeit wird kommen

Dieses Gedicht habe ich vor mittlerweile ziemlich vielen Jahren für eine Freundin geschrieben, der es damals gar nicht gut ging. Glücklicherweise lebt sie heute wieder recht vergnügt vor sich hin, wofür ich sehr dankbar bin.

Der Dienstag dichtet!  Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht. Schaut gerne bei ihr vorbei, das bereichert den Dienstag ganz ungemein. Auch Mutigerleben und Wortgeflumselkritzelkram sind mit von der Partie!

Kann man mit Humor und Leichtigkeit glauben?

Was würde dazugehören?

  • mit Freude morgens aufwachen
  • nicht Funktionierendes entspannt akzeptieren
  • Andersdenkende umarmen
  • dankend leben
  • viel Gesang, pur und mehrstimmig
  • Gottvertrauen – er wird das vergeben, für das unsere Versuche nicht ausreichen
  • leicht leben, weil wir gerettet sind
  • jeden Tag ein bisschen in die Wolken schauen
  • offene Türen
  • nicht allein sein, weil wir zu einer großen Gemeinschaft gehören
  • wenn wir etwas verbockt haben, einen Ort und ein Ohr haben, wo wir es abgeben können
  • viel Liebe

Was mir an einer Kuhweide gefällt

  • die neugierigen Gesichter mit den feuchten Mäulern
  • das Gras
  • der zarte Kuhfladenduft (wirklich!)
  • die Kakao-Versprechungen
  • die Grasbüschel, die die Kühe verschmähen (sie sind nämlich Feinschmecker)
  • den ausgetretenen Pfad zum See
  • das leise, unheilverkündende „Tick-Tick“ des Elektrozauns und der latente Nervenkitzel beim Passieren
  • Kuckucksblumen. Alle, alle Kuckucksblumen.
  • Und Löwenzahn. Löwenzahn auch.
  • wie das Gras beim Barfußlaufen kitzelt
  • und das Wehgeschrei, wenn man dabei in Brennesseln tritt

Leben

schneller wäre:
geradeaus
über Asphalt
durch Granitwände
auf Beton

heute nicht

auf Sandwegen
Kurven laufen
wandeln unter blättrigem Himmel
Amseln und Enten zuhören
Wasser riechen
Dinge finden
Umwege versuchen
zu spät kommen
leben

Der Dienstag dichtet!  Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht. Mittlerweile sind auch Mutigerleben und Wortgeflumselkritzelkram mit von der Partie. Wer den Dienstag also mit Gedichten beginnen will: Herzlich willkommen!

Aktueller Zustand

Aktueller Zustand:

toxisch
unausgewogen
zergrübelt
im Ungleichgewicht
übersäuert
unpedikürt
mit zu langen Haaren
unausgeschlafen
über Idealgewicht
disharmonisch
unvollkommen glücklich
aufmüpfig
manchmal zickig
und dabei
vollkommen
bei mir

Der Dienstag dichtet!  Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht. Schaut gerne bei ihr vorbei, das bereichert den Dienstag ganz ungemein. Und mittlerweile sind auch Mutigerleben und Wortgeflumselkritzelkram mit von der Partie!

Wer Ohren hat zu hören, der höre!

Wer Ohren hat zu hören, der höre!

nichts ist hier still und lieblich
die Gegenwart fließt nicht friedlich
wild rauscht sie voran
brausendes Tosen ist ihr Gesang
hörst du
Blüten explodieren und schießen
Blätter platzen aus engen Verliesen
Triebe wachsen aus lauten Träumen
das herbe Knirschen in alten Bäumen
hörst du
das Geschrei kleinster Geschöpfe
Atem und Kampf in winzigen Köpfen
sie laufen und schwirren und beben
um ihr kostbares schnelles Leben
hörst du
die Wolken rasend und eilig
weißschäumend gewaltig und heilig
Wasser in tausendundeiner Form
flüstert vom Leben fern aller Norm
hörst du?
ich sage dir hättest du Ohren
du würdest es hören und loben!

Manchmal lese ich ein bißchen in meinen alten Gedichten und bin erstaunt: Sind die wirklich von mir? So wie in diesem hier würde ich heute zum Beispiel eher nicht mehr schreiben. Aber mir gefällt´s trotzdem, und das Foto ist erst ein knappes Jahr alt, also passt da immer noch etwas zusammen. Wer Augen hat zu sehen, der lese es! Drama, Baby, Drama! 🙂

Wunschgedicht

Was ich gern finden würde

morgens versteckt hinter der Haustür eine Stunde Zeit
rote Glasmurmeln
den perfekten Hängemattenbaum
meinen Zauberstab (mit einem Einhornhaar)
verlassene Bücher
fremde, interessante Einkaufszettel
den Balkon mit Hollywoodschaukel (lang ersehnt)
meinen persönlichen Drachen (wenn es machbar ist, in grün)
kleine Risse in der Normalität
Menschen, die mich begeistern
Seelenverwandte
den Schatz am Ende des Regenbogens
mich im Durcheinander
freundlichen Alltag

Man beachte die kleinen Unterschiede zum endgültigen Text! Ich fürchte, wenn man mich ließe, würde ich meine Texte bis in alle Ewigkeit korrigieren. Und darüber hinaus.

Dienstags ist Gedichte-Tag! Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht. Schaut gerne bei ihr vorbei, das bereichert den Dienstag ganz ungemein!