Jahresringe

„Lass das Jahr ziehen!“
wie soll das gehen
ich trage es in mir
ein neuer Jahresring
aus zartbitteren Gedanken
Sommerpoesie
wortlosen Abschieden
nervöser Verantwortung
alten Freundschaften
die schon selber Jahresringe haben
keines meiner Jahre lasse ich ziehen
ich wachse mit ihnen
werde ein Baum
der blüht
im Kernholz
noch immer das staunende Kind
neugierig
auf den nächsten Jahresring

Der Silvester-Dienstag dichtet! 🙂  Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht. Auch Wortgeflumselkritzelkram, Mutigerleben, Werner Kastens und Findevogel sind mit von der Partie.

Liebe Katha, an dieser Stelle vielen lieben Dank für deine Idee mit dem Dienstagsgedicht: So viele schöne Texte zum Nachdenken, gern haben und zum neue Gedanken denken habe ich seitdem bei euch gelesen. Sie machen meinen Dienstag regelmässig schöner. Ich freue mich auf ein neues Jahr mit euch!

Weihnachten

Weihnachten

Was schön wäre:
weißes Erwachen
Apfelsinenduft
durchsungene Gottesdienste
Punsch und Feuer am Ausgang
selbstverständlich zuhause sein
die Gesellschaftsjagd ruhen lassen
frostigstille Nächte durchwandern
dem Stern folgen

Was machbar ist:
Sterne basteln
abends schöne Filme gucken
stille Momente feiern
Gastsein genießen
jedes Lied laut mitsingen
den Nachbarn Kekse anbieten
Apfelsinenduft
Regenwolken willkommen heißen

Der Dienstag dichtet! Also auch der Heiligabend-Dienstag :).  Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht. Auch Wortgeflumselkritzelkram, Mutigerleben, Werner Kastens und Findevogel sind mit von der Partie. Wer den Dienstag also mit Gedichten beginnen will: Herzlich willkommen! Und frohe Weihnachten allen Gedichtelesern!

Kastanienherbst

Kastanienherbst

zwischen Steinen
in glattgespiegelten Pfützen
voll geronnener Zeit
suche ich
das Anfangsende
es sticht kühlstachelig
in meine Sommerhaut
glänzender Kern
in offener Hand
zieht sanft ins Ende
zurück zum Anfang

Hier wäre eine Kastanie jetzt natürlich nett gewesen, aber gerade stelle ich fest: Nicht ein einziges Kastanienfoto in meinem Fundus! Tsss. Das wird geändert. Nächstes Jahr.

Der Dienstag dichtet!  Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht. Auch Wortgeflumselkritzelkram, Mutigerleben, Werner Kastens und (ganz neu!) Findevogel sind mit von der Partie. Wer den Dienstag also mit Gedichten beginnen will: Herzlich willkommen!

Letzter November

der November schließt die Fensterläden
schleicht sich davon
Richtung Süden
vertrieben vom helleren Bruder
der laut sein Recht fordert
tannenzweigwedelnd

30. November

der November ist zufrieden
hat seine Pufferpflicht getan
zwischen Herbstsommer und Eisblumen
wir sind bereit
für Apfel, Nuss und Mandelkern

Novemberwind

der Novemberwind kennt Unbehaustheit
raschelt schwermütig
durch blätterkühle Kellerschächte
lauscht in dunkle Stillen
wartet vor den hellen Fenstern
schaut uns zu
beim Haschen nach Heimat

Das war ein Beitrag zu den Etüden: Drei Begriffe in maximal 300 Worten (dieses Mal völlig problemlos unterschritten 🙂 ) Vielen Dank, Christiane, für das Organisieren und alles andere! Die Wortspende kommt dieses Mal von Bernd mit seinem Blog Red Skies over Paradise. Die Begriffe lauteten:

Unbehaustheit
schwermütig
haschen

Und das war ´ne ganz schön steile Vorlage, mein lieber Schwan…

Sonnenwärme

Sonnenwärme
fliegende Wolken
schwarzer Tee mit Milch
Vogelgesang
Blätter zwängen sich aus ihren Verpackungen
Waldameisen auf Patrouille
Vorjahreslaub knistert
Taubenbalz
Joggerinvasion
zart rauscht die Autobahn
April