Fata Morgana

Sah im sonnigen Aprilmorgen
künftige Tannenbäume im Feld
Dezembervision
Weihnachts-Fata Morgana

😁 Tschuldigung. Das musste sein. Wenn ich schon an Weihnachten und rote Kugeln denken muss, nur weil da vor dem Zugfenster plötzlich ein Weihnachtsbaumfeld auftauchte, will ich das wenigstens nicht allein tun!

Licht

Licht

der Januar wird älter
langsam kehrt das Licht zurück
bemalt die morgendlichen Wege
rüttelt Spatzen aus schlafenden Zweigen
zündet uns an
nährt kleine Flammen in uns
wir wärmen uns fröstelnd die Seelen
am Abend
wenn das Licht geht
flüstert der Kerzenschein
von morgen
und dem
was sein wird

Neujahr

Neujahr

neue Zeiten
noch unbekannt
schlechte Sicht
verschwommene Konturen im trüben Licht
weit entfernt undeutliche Stimmen
ansonsten: Stille
ich atme und warte
unschlüssig
zweifle am festen Grund
hinter den Konturen leises Gelächter
zaghaftes Leuchten
jemand flüstert: Komm
und ich
hebe den Fuß

Das Gedicht ist von 2018 und nicht neu, aber es passt so perfekt auf die aktuelle Situation – es ging nicht anders. Voila! Ich wünsche allen Dienstagsdichtern leises Gelächter, lebhaftes Leuchten und dass jemand flüstert: Komm!

wenn alles Lebendige schweigt

Wenn die Abende kalt,
und die Morgende dunkel sind,
und alles Lebendige schweigt,
betrachte ich die Weihnachtsgaben,
die ihr mir schenktet,
kleine, große, bunte,
sie sind hier, bei mir,
und wärmen besser
als viele Feuer
und zwei Paar Socken.
Ich hülle mich ein in sie
wie in einen Mantel,
und auch,
wenn alles Lebendige schweigt,
höre ich sie wispern
von Verbundenheit, Treue,
und manchmal sogar von Liebe.

Dezembertorte

Dezembertorte

goldener Wolkenbiscuit
unter perlgrauer Hagelcréme
schneezuckerbestäubt
an Abendrotkonfitüre
auf sahniger Nebelhaube
sternkrokantbestreut
übergossen mit Mondgold
frostig kalt serviert
auf silberweißem Eisteller
nur heute
kostenlos!

Dezembergrau

Dezembergrau

nach Tagen des Sturms
sanfte Regenruhe
kühles Dezembergrau
verlangt nicht mehr
als Anwesenheit
alte Sätze
wie Haltegriffe in der Straßenbahn
warm leuchtend
im Grau

Der Dienstag dichtet!  
Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht. Auch WortgeflumselkritzelkramMutigerlebenWerner KastensFindevogel, die Nachtwandlerin, Lindasxstories, Myriade, Gedankenweberei, 
MynaKaltschnee, Wortverdreher und Lebensbetrunken, der BerlinAutor, Vienna BliaBlaBlub und Heidimarias kleine Welt sind mit von der Partie.
Schaut doch mal bei ihnen vorbei, der Dienstag fängt besser an mit ein bisschen Wortzauberei!

Kompromisse

Adventstage
sind
Kompromisstage
jede Stunde
hart verhandelt
zwischen Traum
und Realität
viele Welten
wollen ihren Anteil
manchmal
erlischt
während unserer Verhandlungen
sogar der Stern
sekundenlang

Novemberstille

Novemberstille

es schweigen
die ewig plappernden Blätter
weiße Luft streicht kahle Zweigmütter entlang
sie schlafen tief in sich verborgen
Sägegeräusche sickern gefrässig von weither
bescheren den Bäumen Alpträume
ein Dieselmotor röhrt stumpfgraue Perltöne
in die fahle Stille
dann
Schweigen