nachts

nachts

leises Lachen am offenen Fenster
Mottengeflatter
nach und nach
ergeben sich die Nachtlichter
fallen in die schwebende Dunkelheit
der Tag schläft
Schattenblumen rahmen den Himmel
strecken sich zu fernen Lichtern
schweigen unter Satelliten
Sterne weiten sich im Schwarz
kathedralengroß
ab und an
streichelt ein Blatt
sanft meinen Arm

Der Dienstag dichtet!  Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht. Auch Wortgeflumselkritzelkram, Mutigerleben und Werner Kastens sind mit von der Partie. Wer den Dienstag also mit Gedichten beginnen will: Herzlich willkommen!

Was wartet im Garten?

Im Garten wartet die Schönheit. Immer. Egal, was es für ein Garten ist. Manchmal besteht sie aus kitschigen Wassertropfen auf weißen Rosenblättern, manchmal aus den zerrupften Wühlmäusen in den Brennnesseln. Oder sie webt im Wind ihr Netz. Manchmal wirft sie dir grüne Eicheln vor die Füße.
Sie ist eng mit der Versuchung befreundet. Eigentlich ist die Versuchung rot, aber du siehst sie nie, kurz bevor du hinsiehst, ist sie weg, und du hörst nur noch die rauschende Schleppe, die sich von dir weg bewegt. Trotzdem ist sie rot, du bist dir so gut wie sicher.
Die Schönheit bringt Schönes hervor: Viel Gelächter an Küchentischen. Wolken. Nasses Gras an nackten Füßen. Seerosen. Soviel Obst in leuchtenden Farben, dass die Vögel und Wespen mitessen dürfen. Einen Garten. Zwiebeln.
Überhaupt. So viele Farben überall, und zwischendrin meine Gedanken von ganz hell und durchsichtig bis dunkelgrau und stürmisch. Es gibt Momente, da fliegen sie wie Drachen am Himmel, aber manchmal verstecken sie sich auch im Tümpel unter den Seerosen.
Das Paradies ist ein Garten. Ich gehe meine Wege und alle führen darauf zu. Und wenn ich mich verirre oder vom Weg abkomme (das passiert von Zeit zu Zeit), dann habe ich es ganz klein in der Tasche, denn man kann es zusammenfalten und mitnehmen: In einem Buch, einer Tasse Tee oder in einem Gesicht. Ich weiß nicht viel. Aber das habe ich gelernt: Das Paradies ist ein Garten.

aufhören

aufhören

beim letzten Mal
sind alle vorherigen Male dabei
unsichtbar im Gepäck
das Schöne
und das Schwere
alles Ungesagte
viel zu viele Gedanken
nie gezähmte Hoffnung
wilde Wut
in den Lücken
endlos gute Absichten
heute legt sich
auf alles alte Gepäck
Freiheit
und plötzlich
ist es leichter
als Wind

Der Dienstag dichtet!  Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht. Auch Wortgeflumselkritzelkram, Mutigerleben und Werner Kastens sind mit von der Partie. Wer den Dienstag also mit Gedichten beginnen will: Herzlich willkommen!

Reformationstag II

es ist Zeit
setz dich hin
sieh ihn an
und dann dich
was
wenn du nicht verhandeln musst
du sein darfst
es weniger Worte bedarf
er dich kennt
dich ansieht
lächelt
es ist Zeit
sieh ihn an
Reformationstag

Reformationstag I

es ist Zeit
nimm deine glasklaren Überzeugungen
liebgewordenen Gewohnheiten
spitzenverzierten Gedankenmuster
sieh sie an
wende sie von oben nach unten
die Angst darf heute bleiben
halte Ausschau
nach blinden Flecken
wenn du mutig bist
frag Menschen
(trag ihnen nichts nach)
es ist Zeit
Reformationstag

heute morgen erschrak ich

heute morgen erschrak ich
da summte ein kleines Lied in mir
einfach so
stieg es nach oben
verscheuchte den Missmut
schubste die Müdigkeit zur Seite
breitete sich aus
wurde warm in mir
ehe ich mich wehren konnte
füllte es meine Kehle
drang über meine Lippen
und sang
ich ergab mich kampflos
wurde besungen
glücklich vertont
das kleine Lied ging
ich blieb
es war hell

Der Dienstag dichtet!  Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht. Auch Wortgeflumselkritzelkram, Mutigerleben und Werner Kastens sind mit von der Partie. Wer den Dienstag also mit Gedichten beginnen will: Herzlich willkommen!

Schlüsselblumengedicht

mein Schlüssel fällt ins Beet
schon scheint er verweht
so lass ich ihn liegen
muss mein Fahrrad schieben
in den nächsten Tagen
plagen mich Fragen
wird im Beet etwas keimen
muss es sich reimen
wachsen dort Schlüsselblumen
in dunklen Humuskrumen
vielleicht leuchten Fahrradlämpchen
zwischen grünen Weihnachtstännchen
an den Zweigen kleine Räder
dieses Gedicht wird immer schräger
darum ist es jetzt aus
und ich bin raus

🙂

(nein, das hat keinen Sinn. Nur, falls die Frage aufkommt.)

Hängt da nicht ein klitzekleines Fahrrad unter dem rechten Blatt? 🙂