Wattrausch

das Watt
es schmatzt
und schmotzt
es plitscht
und zischt
und blubbert
und schubbert
es quillt
und chillt
und schlammt
und schlonzt
es tropft
und spotzt
und kühlt
und spült
es salzt
und tanzt
und es kommt
oh wie es kommt
das Meer

Urlaubsende-Blues (dramatisch)

(zu singen, während eine melancholische Mundharmonika in Moll leise seufzt)

Oh, es ist hart, und so schwer, so schwer,
nun sind sie vorbei, die schönen, endlosen Tage,
der Sonnenschein ausverkauft,
das blaue Meer vertrocknet.

Oh, es ist hart, und so schwer, so schwer,
mein Herz wie Stein,
ein öder, trockener Brocken,
das Urlaubsende ist nah.

Wolken hängen tiefschwarz,
müde trommelt der Regen,
leise weint der Wind
in meinem verzagten Herzen.

Vorbei all die prachtvolle Zeit,
sie schwand wie flüssiger Treibsand,
schlang alles, alles hinunter,
Mondnächte, seliges Ausschlafen, Morgendämmerung.

Ich stand am Rand, rang die Hände,
wollte retten, bewahren, aufhalten,
doch ach! nichts blieb vom freien Leben
und morgen dräut das Arbeitsjahr.

Oh, es ist hart, und so schwer, so schwer,
mein Herz wie Stein,
ein öder, trockener Brocken,
das Urlaubsende ist nah…

(unbegrenzt fortzuführen bei leisen, trostlosen Mundharmonika-Klängen in Moll)

🙂

 

September

der Goldene
zwischen Hell und Dunkel
webt er seidene Brücken
zieht uns sanft voran
kein Weg zurück
die Taschen voller süßer Birnen
wenden wir den Blick
nach vorn
im Rücken Sommerwärme

Unkraut

Der alte Gärtner kratzte weiter mit seinem Rechen hart über den trockenen Boden. Der Junge folgte ihm stumm.
„Merk´s dir: Wenn du mit deiner Arbeit hier angelangt bist, ist noch keine Zeit für´s Nichtstun. Das Unkraut am Zaun wird entfernt, dann gießt du den Gemüsegarten. Verstanden?“ Der Junge nickte.
„Gut. Zum Schluß rechst du den Boden, siehst du? So.“ Zur Bekräftigung fuhr er mit den eisernen Stäben noch ein paarmal durch den Staub. Wieder nickte der Junge gehorsam. Der Gärtner richtete sich auf, nahm den Hut ab und wischte mit seiner rauen Hand den Schweiß von der Stirn.
„Nun gut. Wir werden sehen, wie du dich anstellst. Ich hab schon viele kommen und gehen sehen. Der Garten ist groß, hier ist viel Arbeit für zwei. Deine Mutter hat gesagt, du könntest arbeiten. Stimmt das?“ Der Junge nickte schnell, sah den Alten aber nicht an. Sein Blick verhakte sich in einem kleinen, gelben Unkraut, das im Rechen hängengeblieben war. Der Alte folgt seinem Blick.
„Tut´s dir leid um das Unkraut? Gewöhn dir das ab. Hier bestimmen nicht wir, was in das große Haus kommt und was entfernt wird. Alles, was hier wächst, ist Unkraut, alles was hinter dem Zaun wächst, ist Garten. Komm jetzt. Es ist Essenszeit.“ Er lehnte den staubigen Rechen an den Zaun und ging mit langen Schritten auf ein kleines Häuschen zu. Der Junge warf noch einen Blick auf das gelbe Unkraut, zog die Schultern hoch und folgte dem Alten.
In der spärlich eingerichteten Küche glomm ein kleines Kohlenfeuer im Herd. Auf der Platte stand eine metallene Kaffeekanne. Vorsichtig sah der Junge sich im Halbdunkel um.
„Setz dich. Da ist Brot und Käse. Tassen stehen auf dem Bord.“
Der Junge blickte auf den Tisch. Ein Korb mit dunklem Brot stand da, ein kleiner Laib Käse auf einem Holzbrett und in der Mitte glänzte eine alte Konservendose, prall gefüllt mit den gelben Blumen, von denen er eine gerade noch im Rechen gesehen hatte. Unbewegt betrachtete der Alte ihn.
Der Junge nahm zwei Tassen und die Kaffeekanne vom Herd, blickte den Alten fragend an und füllte ihm die Tasse. Dann goß er sich ein. Zusammen aßen sie schweigend ihr erstes gemeinsames Mahl.

Zweckfreiheit

Es lebe der Grünblick!
der in violetten Pagoden
hüpfende Engel erschafft

Jubel! für die knisternde Stille
die zwischen silbernen Schleiern
spinnwebfeine Symphonien durchsingt

Hurra! auf die Sinnfreiheit
die leise kichernd
unablässig frische Gedanken aussät

Es lebe der Grünblick!
das blaue Glück der Zweckfreiheit
und all das kleine Gewimmel dazwischen

Wer mir sagen kann, was das auf dem Bild da bedeutet, gewinnt drei goldene Sternchen!

Die absurden Gedichte sind die, die am meisten Spaß machen beim Schreiben… 🙂

Zweckfreiheit – Vorgeplänkel

Dann kam der Morgen, an dem wir eine Collage machen sollten.
Eine Collage.
Ich.
Ok. Dazu muss man wissen, Collagen und ich sind inkompatibel. Sie wissen, dass ich sie nicht leiden kann, und ich weiß, dass sie es wissen. Und so halten wir uns in der Regel hübsch weit entfernt voneinander.
An diesem Morgen konnte ich aber ja leider nicht wegrennen, und außerdem soll man doch auch ab und zu mal Dinge ausprobieren, die man nicht mag, um zu testen, ob das immer noch so ist oder ob man plötzlich eine neue Liebe entdeckt. Ich habe also tapfer nach Bildschnipseln, Farbe und Stempeln gegriffen, und, he!, nachdem ich akzeptiert hatte, dass das bei mir wirklich nirgendwohin führt, hatten wir viel Spaß miteinander, meine Collage und ich! Zweckfreiheit wird unterschätzt, und das sagt hier eine, die normalerweise berufsbedingt durchgängig in hohem Optimierungsmodus läuft. Hier also meine Collage (ich bitte um Beifall und Zuneigungsbekundungen!):

Wer mir sagen kann, was das auf dem Bild da bedeutet, gewinnt drei goldene Sternchen!

Falls es wirklich jemand wissen möchte, hier noch einmal zum vergrössern:

Als sie dann fertig war (sind Collagen eigentlich jemals fertig? Eigentlich nicht, oder?), kam der Teil, der mir wirklich Spaß gemacht hat. Selten habe ich soviel gelächelt beim Schreiben eines Gedichtes. Das kommt dann im nächsten Blogpost. 🙂

Experimentelles Gedichteschreiben

Und dann bekamen wir den Schellenengel von Paul Klee vorgelegt und ich war entzückt.

So einfach! So klar! So wenige Linien, aber alles da, was man braucht! Und gleichzeitig trotz der Einfachheit komplex und vieldeutig. Der Mann hat es wirklich drauf gehabt, keine Frage. Wir wurden also aufgefordert, einen kleinen Text dazu zu schreiben und danach die Figur mit Farbe und Mut zu unserer Figur zu machen. Hier mein Endergebnis.