Worauf vertraue ich?

  • dass es immer weitergeht
  • auf unsichtbare Netzwerke zwischen Menschen
  • und deren Kraft, sie immer wieder neu zu formen
  • zwischen all dem Unschönen findet sich immer etwas Schönes
  • wenn wir danach suchen, werden wir es finden
  • auf die Farbe Gelb im Frühling
  • dass Schokolade glücklich macht
  • Vernunft und Unvernunft werden ein Leben lang streiten und die Vernunft wird niemals aufgeben
  • dass Fantasie alles erträglicher macht
  • an kleine Liebesbotschaften: Briefe. Videoanrufe. Fragen. Ein Schnurren.
  • dass Gedanken an Gott aufrichten
  • an die Macht der Worte
  • dass Worte Menschen öffnen
  • die vermissten Socken werden irgendwann wieder auftauchen
  • es ist immer irgendwo hell
  • die Vögel im Wald singen, auch, wenn ich nicht dort bin
  • jede Krise hat irgendwann ein Ende

Ich weiß, es ist eine Liste, aber besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen. Wenn ihr mögt, macht es nach, es baut ungemein auf, je länger man sucht und schreibt.

Der Dienstag dichtet! 🙂  Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht. Auch Wortgeflumselkritzelkram, Mutigerleben, Werner KastensFindevogel, die Wortverzauberte und  Ein Blog von einem Freund sind mit von der Partie. Schaut doch mal bei ihnen vorbei, der Dienstag fängt besser an mit ein bisschen Wortzauberei!

Was lockt dich?

Bist du der Durchschnitt aus fünf Menschen?
Die Fallensteller locken dich
mit sanften Wellen oder wilden Kringeln.
Ein Käfer schießt nach vorn,
mit Licht lockst du die Fliegen an.
Was zieht dich
so mächtig himmelwärts
aus deiner Spur im weichen Pulverschnee?

Das war ein google-gedicht, entstanden aus der Frage: Was lockt dich? Aber ich habe die Sätze danach noch ziemlich bearbeitet, ohne die Bearbeitung hätte es mir nicht gefallen. Wer noch mehr dazu wissen will: Hier.

Der Dienstag dichtet! 🙂  Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht. Auch Wortgeflumselkritzelkram, Mutigerleben, Werner KastensFindevogel, die Wortverzauberte und  Ein Blog von einem Freund sind mit von der Partie. Schaut doch mal bei ihnen vorbei, der Dienstag fängt besser an mit ein bisschen Wortzauberei!

alles ist da

alles ist da
Ruhe und Zeit
Stift und Papier
aber in mir
nur leeres Gewirr
Pinsel und Farben
Ton und Musik
sogar die Musen
machen sich schick
doch in mir
nur leeres Gewirr
alles ist da
nur ich Narr
mach mich rar

Und wenn einem nichts einfällt, dann macht man sowas!

Das war ein Gedicht höchster Kunst über einen Zustand, den wohl jeder kennt, der auf Kommando kreativ sein soll. Die kommt nämlich nie, wenn man sie ruft. 🙂

Der Dienstag dichtet! 🙂  Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht. Auch Wortgeflumselkritzelkram, Mutigerleben, Werner KastensFindevogel, die Wortverzauberte und  Ein Blog von einem Freund sind mit von der Partie. Schaut doch mal bei ihnen vorbei, der Dienstag fängt besser an mit ein bisschen Wortzauberei!

an einem Tag im Februar

an einem Tag im Februar
schnippst die Phantasie mit den Fingern
Milliarden goldener Tagträume machen sich auf den Weg
es regnet Sterne
Hängematten
rote Ferraris
glitzernde Vampire
Erdbeeren
Fußmassagen
marinierte Rippchen
und weil ihr danach ist
schickt sie
ein paar Herden grüner Drachen
und Schokoschmetterlinge hinterher
Aufschreie und Juchzer
aus Büros und Fabriken
dann wird es still in den Städten
Träume überall
zufrieden nickt die Phantasie
so soll es sein
im Februar

Der Dienstag dichtet! 🙂  Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht. Auch Wortgeflumselkritzelkram, Mutigerleben, Werner KastensFindevogel, die Wortverzauberte und  Ein Blog von einem Freund sind mit von der Partie. Schaut doch mal bei ihnen vorbei, der Dienstag fängt besser an mit ein bisschen Wortzauberei!

Was meine Phantasie alles kann (an guten Tagen)

Was meine Phantasie alles kann:

  • aus sinnlosen Gedanken Gold spinnen
  • immer einen Fluchtweg wissen
  • Schätze finden in Bürgersteigritzen
  • sagen: „komm, wir gehen fliegen“ und es tun
  • unter einhundert Türen die richtige wählen
  • von Ländern erzählen, die googlemaps nicht kennt
  • in alle Augen sehen und alle Hände halten
  • lachen, wo es wenig zu lachen gibt
  • ohne Skrupel endlose Monologe halten und erwarten, dass ich zuhöre (was ich tue)
  • beleidigt verschwinden, wenn ich versuche, sie zum Schweigen zu bringen
  • unauffindbar bleiben
  • aus dem Nichts zurückkommen und peinliche Fragen stellen
  • mit sich selbst genauso flirten wie mit anderen
  • tanzen, als ob ihr die Welt gehören würde (und das tut sie ja auch)
  • mir abends vorm Einschlafen schillernde Sekundengedanken schenken
  • trösten

Als ich die Phantasie traf

Heute Abend habe ich die Phantasie getroffen. Natürlich sah sie ganz anders aus als beim letzten Mal, als sie Lollys im Haar trug und kichernd auf bunten Socken durch meine Küche tanzte.
Heute dagegen ging sie geistesabwesend immer zwei Meter vor mir her, ihr Haar schimmerte silbergrau und hing schwer herunter. Sie war nur halb bei mir, die andere Hälfte war sehr weit weg und befasste sich mit ernsten Angelegenheiten.
Von Zeit zu Zeit drehte sie sich zu mir um, ging rückwärts und sagte Dinge wie: „Wusstest du, dass Tränen eine silberne Innenhaut haben und Welten enthalten können?“ Oder: „Gerade habe ich mir vorgestellt, es wäre noch Tag, die Sonne schiene und ich wäre so leicht wie ein Rotkehlchen.“ Oder: „Schwarz ist gar nicht immer einfach nur Schwarz. Es kann bleiernes Schwarz sein, oder dumpfes Schwarz. Es gibt sogar strahlendes Schwarz, wusstest du das?“
Nach jeder Frage drehte sie sich wieder um und sah nach vorn. Sie erwartete keine Antworten.
Es war ein bisschen seltsam, wo sie doch sonst immer vor Farbe, Musik und Ideen übersprudelte. Wie oft hatte ich schon kleine Fische um ihren Kopf herumschwimmen sehen, ohne dass auch nur eine Spur Wasser in der Nähe gewesen wäre! Und nie konnte ich mich sonst entscheiden, welche Augenfarbe sie gerade hatte, mal waren sie Ozeanblau, mal Sonnenuntergangsgolden, mal grün wie Waldmeisterwackelpudding. Heute dagegen war ich mir sicher: Sie konnten nur silbergrau sein.
Nachdem wir alles ein paarmal wiederholt hatten – umdrehen, rückwärts gehen, Frage stellen, keine Antworten – ging ich ein wenig schneller, bis ich auf einer Höhe mit ihr war. Sie sah mich nicht an. Ganz vorsichtig nahm ich ihre Hand. Sie war kühl und sie zog sie nicht weg. So gingen wir schweigend zusammen nach Hause.
Ich bin mir nicht sicher, aber mir war, als ob wir beide ein wenig heller wurden auf dem Weg.

Gesang

Töne steigen auf
im Kerzenlicht
verweben sich
formen goldene Wolken
fließen umeinander
schweben hoch
um herabzusinken
spielen mit den Säulen
werfen sich
elegant von Wand zu Wand
bis alles hell und klar ist
Licht im warmen Dunkel
Honigtöne flüstern
wo warst du solange?

Es gibt Orte, die sind Herzensorte, und wenn man zu ihnen zurückkehrt, manchmal nach längerer oder sehr, sehr langer Zeit, ist es wie nach Hause kommen.

Der Dienstag dichtet! 🙂  Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht. Auch Wortgeflumselkritzelkram, Mutigerleben, Werner KastensFindevogel, die Wortverzauberte und  Ein Blog von einem Freund sind mit von der Partie. Schaut doch mal bei ihnen vorbei, der Dienstag fängt besser an mit ein bisschen Wortzauberei!