Experten

Wir sind erfahren. Wir haben alles schon zigmal gemacht. Wir wissen im Dunkeln, wo der Lichtschalter ist. Wieviel Butter man braucht, um eine Brötchenhälfte zu bestreichen. Wir fangen die Tür im Vorbeigehen auf, damit sie nicht an die Wand knallt, und unsere Hände wissen genau, was sie beim Schleifenbinden zu tun haben. Wir kennen die kürzesten Wege, wir sind sie alle schon gegangen. Wir kennen uns aus. Wir sind Experten unseres Lebens.
Wenn wir in unserem sicheren Bereich doch etwas Neues entdecken, sind wir begeistert: Wir geben Tipps zum besseren Kartoffelschälen weiter, beschreiben den Weg zum perfekten Picknickplatz oder wie wir das erste Apfelbäumchen gepflanzt haben. Experte sein ist schön. Es gibt Sicherheit.
Und Anfänger sein?
Wenn wir etwas nicht können und es trotzdem tun müssen, sind wir wach. Präsent. Wir lernen. Unser Gehirn läuft und brummt und knüpft neue Synapsen. Wir scheitern und versuchen es nochmal. Wir sind langsam. Langsam. Langsam zu sein ist selten erlaubt in unserer Welt. Wir freuen uns, wenn wir schneller werden. Aber war es nicht auch schön, als wir langsam und vorsichtig das erste Mal Auto gefahren sind? Dieses überwältigende Gefühl! Oder als wir zum ersten Mal ein Loch in die Wand gebohrt haben?
Kinder sind überall Anfänger. Sie wissen es nicht, aber wir wissen das. Wir könnten öfter Umwege machen und Wege gehen, die wir noch nie gegangen sind. Wir sind erwachsen, wir dürfen das.
Vielleicht sollten wir den Kalligraphie-Kursus anfangen. Oder japanisch lernen.
Anfänger sein ist schön.
Und unser Gehirn freut sich.

11 Gedanken zu „Experten

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