Oink und die Stiefmütterchen

„Das sind aber viele“, sagt Oink. Dann ist er still und guckt.
„Hab ich dir doch gesagt“, sage ich und bin ein kleines bisschen stolz, obwohl ich absolut nichts dazu beigetragen habe.
„Und die wachsen einfach so?“ fragt er.
„Naja“, sage ich, „man muss sie giessen und düngen und pikieren, glaube ich, und umtopfen und irgendwann ins Freie pflanzen.“
„Aha“, sagt Oink und guckt überall hin, zu den Stiefmütterchen und Tulpen und Margariten, zum Lavendel und einer Menge anderer Blumen, deren Namen ich nicht kenne. „Und warum macht ihr das? Esst ihr sie?“
„Nein! Die sind nicht zum Essen“, sage ich leicht kratzig. Wir essen schon eine ganze Menge und auch Dinge, die wir wohl eher nicht essen sollten, aber Blumen sind für etwas anderes da.
„Aha“, sagt Oink, „warum macht ihr euch dann soviel Arbeit mit ihnen?“
„Ähm…“, sage ich und überlege, „ich glaube, weil sie schön sind. Ein paar andere Gründe gibt es auch noch, aber vor allem, weil sie schön sind.“
Oink starrt ein Stiefmütterchen an, das zurückstarrt. „Das ist ein guter Grund, finde ich. Guck mal, die hier hat ein Gesicht.“
Ich bin ein kleines bisschen stolz auf uns Menschen. Das kommt nicht allzu oft vor.
„Ich nehme ein Blumenbad!“ ruft Oink, dann stürzt er sich in ein Beet voller lila und gelber Blütenblätter.
„Oink!“ rufe ich und gucke mich um, ob uns jemand beobachtet. Dann halte ich meinen Mund. Wer wird schon ein kleines rosa Schwein in einem Meer voller Schönheit erkennen?

16 Gedanken zu „Oink und die Stiefmütterchen

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