Zimmerreise – der Leuchtturm in der Küche

Bei puzzleblume habe ich neulich die Zimmerreisen entdeckt, die ich sehr verführerisch finde. So eine Wohnung ist unentdecktes Land, hinter jedem Gegenstand lauert eine Geschichte darauf, erzählt zu werden. Daher gibt es hier meine erste Zimmerreise zum Buchstaben B wie Bild.

In meiner Küche hängt ein Bild von einem Leuchtturm mit einer Badewanne auf der Aussichtsplattform. Sie hat ein Sonnensegel. Die Badewanne, nicht die Aussichtsplattform. Und unter dem Sonnensegel sitzt jemand mit blonden Haaren und badet, vor sich die blaue See mit ein paar weißen Schafswolken und einer absolut beneidenswerten Aussicht. Ein Geschoss tiefer stehen die Fenster offen, ein paar Möwen nutzen den Schatten, ansonsten: Nichts. Nur sehr viel Sand und Meer. Man kann die Stille hören und das Salz riechen, die Wärme fühlen, die über die Haut streicht, dazu das leise Rauschen der See.
Dieses Bild musste ich haben, und entgegen meiner sonstigen Gewohnheiten habe ich tatsächlich nach dem glücklichen Kauf sofort nach einem Rahmen dafür gesucht und ihn auch noch gefunden. Nirgendwo sonst in meiner Wohnung gibt es etwas Silbernes (naja, Besteck schon), und schon gar keine Rahmen in Silber. Aber hier musste es genau dieser sein, weil er die Leichtigkeit und die Helligkeit und den Sommer transportiert, die mir aus dem Bild entgegenquellen. Und das Bild musste in die Küche, weil ich mich dort sehr oft aufhalte und weil mein Blick vom Küchentisch immer fast direkt auf das Bild fällt, und ich einen kleinen Moment innehalte und mich freue, weil der Sommer entweder gerade da ist oder irgendwann wieder kommt. So ein Leuchtturm als Sommerresidenz, das wäre was, aber wenn, dann natürlich nur mit Badewanne auf der obersten Plattform, man hat ja seine Vorstellungen, vor allem, wenn sie einem so direkt vor Augen gemalt werden. Ach ja, und an der Seilwinde rechts sollte bitte das Frühstück hängen, das vorbei gebracht wird. Mit Croissant, bitte. Wenn schon, denn schon.
Ich kenne die Malerin und bin (immer noch) der Meinung, sie hat sich selbst da direkt hineingemalt, das ganze Bild ist sie, es passt eins zu eins zu ihr, als ob es ihr direkt aus den Fingern geflossen wäre. Im übertragenen Sinn, natürlich, in Form von Aquarellfarben, wir wollen hier ja keine Assoziationen von Dornröschen, Spinnrädern, Blutstropfen und hohen Türmen wecken. Mit Dornenhecken will ich zumindest auf diesem Bild nichts zu tun haben.
Neben meinem Sehnsuchtsbild von Meer, Leuchttürmen und einsamen Stränden befindet sich übrigens eine Pinnwand, an der in normalen Zeiten (also nicht in Corona-Zeiten) lauter kleine Dinge hängen, die auf schöne Dinge in der Zukunft verweisen: Eintrittskarten, zu kaufende Bücher oder CDs, Ausflugsüberlegungen, Gutscheine usw.. Eine Terminnotiz von meinem Schornsteinfeger hängt da auch, aber das macht nichts, er ist immer nett, auch, wenn er meist um 07.10 Uhr bei mir klingelt, wenn ich noch gar nicht genau weiß, wer ich bin. Neben der Schornsteinfegernotiz hängt ein kleiner Zettel, auf dem ich Namen von zukünftigen Protagonisten notiert habe. Sie existieren schon, sind aber bisher noch namenlos. Nicht, dass ihnen das etwas ausmachen würde. Sie wissen ja noch nicht, was ihnen fehlt. Höchste Zeit, mich ihnen wieder mal zu widmen.

Ein Sehnsuchtsbild von Katja Priebe, hier leider farblich eher unterirdisch wiedergegeben. In echt strahlt es und duftet nach Sommer.

30 Gedanken zu „Zimmerreise – der Leuchtturm in der Küche

  1. Es sagt vermutlich sehr viel über mich aus, dass ich versucht habe, die Koordinaten nachzuschauen 😁
    Auch, weil mich der Turm eher an ein Schachspiel als an einen klassischen Nordsee-Leuchtturm erinnert … 🤔
    Neben der großartigen Badewanne gefällt mir natürlich, dass auf der Brüstung eine Katze sitzt. 😼
    Schön. Bisschen Urlaubsfeeling zum Kaffee. 😁
    Morgenkaffeegruß 😁☁️☕🍪👍

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  2. Ich verstehe, dass du dich in dieses Bild verliebt hast! Man möchte am liebsten darin Platz nehmen und sich wohlfühlen. Danach einen schönen langen Strandlauf mit – ich spinne jetzt mal – zwei oder drei lieben Menschen, gute Gespräche, dann zurück auf den Turm und die Sonne auf die Haut scheinen lassen.
    Ja, das wär was! 🙂

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  3. Ein herrliches Bild, erst recht für eine Zimmerreise, in das man „einsteigen“ kann und durch die Mauern hinausträumen. Die Wirkung des Silberrahmens kann ich mir gut vorstellen und dass die Schornsteinfegernotiz danebenhängt, holt einen wieder von der Traumreise zurück. Vielen Dank für’s Mitmachen!

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  4. Eine schöne und inspirierende Zimmerreise. Schon bei deiner Beschreibung bin ich „abgetaucht“ ans Meer, auf einen Leuchtturm 🙂 Das Bild ist toll! Und auch deine Pinnwand, da geht es mir wie Fjonka, finde ich eine schöne Idee. Paßt auch in Coronazeiten finde ich 🙂

    Gefällt 1 Person

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