Der Schweinehund und der Landvermesser

Der Schweinehund und der Landvermesser

Dein Schweinehund räkelt sich gemütlich auf dem Sofa und gähnt lange und ausgiebig. Dann reibt er sich die Augen, blinzelt und guckt zu dir herüber. Auf seiner Nase sind immer noch blasse lila Punkte zu erkennen. „Was machst du?“
Du starrst auf deinen Bildschirm und antwortest abwesend: „Ich versuche, mir eine Geschichte einfallen zu lassen.“
„Oh.“ Dein Schweinehund setzt sich auf. „Was für eine Geschichte?“
„Weiß ich noch nicht.“ Du stützt dein Kinn in die Hände. „Es sollen die Worte Landvermesser, undankbar und aussetzen drin vorkommen.“
„Warum?“
„Weil das die Regeln sind.“
„Pfff. Das ist ja doof. Warum schreibst du nicht über mich?“ Dein Schweinehund sieht dich mit großen, glänzenden Augen an.
Du bist ein klein wenig genervt. „Weil du keinen Landvermesser kennst. Oder?“
Dein Schweinehund ist gekränkt. „Weisst du doch gar nicht! Was, wenn ich doch einen kenne? Dann verpasst du jetzt vielleicht die beste Geschichte aller Zeiten!“
Du verdrehst die Augen. „Vielleicht. Ja.“
„Ist ja auch egal.“ Dein Schweinehund legt sich wieder hin. „Schreib du ruhig deine Geschichte. Ich mach noch ein bisschen die Augen zu.“ Er dreht dir den Rücken zu und ist in Sekundenschnelle wieder eingedöst.
Du betrachtest ihn nachdenklich. Ob so ein Landvermesser auch einen Schweinehund hat? Ob er ihn schon mal ausgesetzt hat? Und sich dabei undankbar vorgekommen ist?
Du lächelst und legst die Finger auf die Tastatur.

Das war ein Beitrag zu den abc-Etüden, die mit viel Aufwand dankenswerterweise von Christiane organisiert werden – vielen Dank! Die Regeln: Maximal 300 Wörter, im Text enthalten sein müssen drei Wörter. Dieses Mal waren es Landvermesser, undankbar und aussetzen. Die Wortspende kam von Werner und seinem Blog Mit Worten Gedanken horten. Und der Schweinehund wäre tödlich beleidigt gewesen, wenn ich ihn ignoriert hätte. Das geht natürlich gar nicht. 🙂

16 Gedanken zu „Der Schweinehund und der Landvermesser

    • Das ist so anstrengend, wenn er beleidigt ist… puh. Wegen der lila Tupfen – tja. Ich finde ja auch, dass es jetzt schon ziemlich lange dauert, aber ab und zu ertappe ich ihn dabei, wie er vor dem Spiegel steht und Gespräche mit ihnen führt. Vielleicht sollten wir Fundevogels Fee fragen. Wenn sie sich blicken lässt. 🙂

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  1. Scheint eine weit verbreitete Rasse zu sein, der Schweinehund und auch nicht so leicht zu bändigen. Kenne da auch einige Vertreter, die besonders von Jüngeren im schulpflichtigen Alter gehalten werden.
    Schöne Idee, ihn hier auch mal zu Wort kommen zu lassen!

    Gefällt 2 Personen

      • Dass es eine persönliche Challenge beim Schreiben ist, kann ich mir, nun, da du es erwähnst, vorstellen, und in dem Sinne finde ich es gut.
        Würde mir jemand Vertrautes das als Gutenachtgeschichte erzählen, könnte ich mir vorstellen, es sogar sehr zu mögen.
        Ansonsten sind mir die Nähe-Formen Wir / Du oder Ich-Erzähler meistens zu nah – meine persönliche Macke vermutlich.

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  2. Schweinehunde drüfen auf keinen Fall ignoriert werden. 😉 Ich frage mich jetzt allerdings echt, ob er eine spannende Geschichte über einen Landvermesser kennt und ob er sie mir verrät. Mir fällt nämlich keine ein. 😉

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  3. Pingback: Schreibeinladung für die Textwochen 43.44.20 | Wortspende von Mutiger leben | Irgendwas ist immer

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