World Trade Center

Morgens steige ich in die Subway und fahre zum World Trade Center. Wie von selbst drängt es sich bei allen Überlegungen, was ich als erstes tun werde, immer wieder nach vorne, und so ist es ganz natürlich mein erster Anlaufpunkt. Als die Türme am 11. September 2001 fielen, stand ich im Hauptbahnhof, auf dessen Großbildleinwänden live übertragen wurde und konnte es nicht fassen. Mit vielen anderen stand ich da und weinte und dachte, jetzt würde der dritte Weltkrieg ausbrechen. Dass er nicht ausbrach, ist in meinen Augen immer noch ein Wunder. Folgerichtig stehe ich nun an einem der beiden großen viereckigen Löcher mit Wasserwänden, sehe die weißen Rosen, die in die eingravierten Namen gesteckt wurden, und das Wasser, das in das schwarze Loch in der Mitte fällt und gebe mir Mühe, mich nicht an alle Bilder von damals zu erinnern, ohne Erfolg. Die Denkmäler brauchen ihre Zeit und das neue World Trade Center direkt daneben ist zwar viel größer und ein Symbol des Neuanfangs, aber gleichzeitig viel kleiner und merkwürdig unbedeutend, obwohl sich die Sonne glitzernd darin spiegelt. Seltsam, wie wenig es manchmal auf Größe ankommt. Als ich mich endlich trennen kann, gehe ich, ohne mich noch einmal umzusehen. Jetzt ist es Zeit für Leichteres.

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