Domweih II

Heute Abend müde aus dem Zug gestiegen. Auf dem Weg nach Hause werde ich von einem Mann überholt, der einen großen Luftballonschlumpf an einer Schnur hält. Der Schlumpf ist fast größer als er, ich übertreibe hier natürlich absolut nicht, und er leuchtet fast schon unwirklich blau-weiß. Als der Mann mich überholt hat und vor mir wieder rechts einschwenkt (fast wie ein Auto nach dem Überholen, nur ohne den Blinker zu setzen, aber das kennen wir, ist auf der Autobahn ja auch nicht anders), zieht er die Schnur ein und den Schlumpf hinter seinen Rücken. Jetzt winkt er (der Schlumpf) mir bei jedem Schritt mit seinem kleinen blauen Arm zu und wippt dabei im Takt der Schritte seines Halters. Ich habe das untrügliche Gefühl, hier flirtet ein Schlumpf mit mir, und der Abend gleitet leicht ins Surreale ab. Prüfend sehe ich nach oben – ist der Himmel noch blau oder sehe ich da schon eine Spur Violett? Der Schlumpf winkt ekstatisch, als der Mann in leichten Trab fällt. Dann biegt er nach rechts ab, der Schlumpf lässt traurig den Kopf sinken, sein Arm knickt ab und wir verlieren uns aus den Augen.

Und nun treiben mich Fragen um. Wie kam der Mann an den Schlumpf? Warum war es kein Einhorn? Wo ging er hin und wer wartete dort auf ihn? Und – vermisst er mich? Der Schlumpf, meine ich. Fragen über Fragen. Und keine davon wird je beantwortet werden. Tragödien des Alltags!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s