Ausgelesen: Shadowmarch – Das Spiel (Band 2). Von Tad Williams

Und da sind wir schon bei Band 2 der Reihe Shadowmarch (hier geht es zu Band 1). Wer meinen Lobgesang über Aufbau und Handlungsstränge dieser Reihe lesen möchte, kann das bei Band 1 tun, eine Handlungszusammenfassung gibt es hier nicht. Grund dafür ist, dass ich jede Menge Geheimnisse verraten würde, wenn ich die Geschichte nacherzähle, und das wäre doch schade. Stattdessen gibt es eine kleine Einführung in die Welt der Skimmer, und es wird ein Rabe vorgestellt.

Was ich großartig an Shadowmarch finde, ist die Vielfalt der Völker und Rassen, die in Eion und Xand leben. Es gibt fast ein Dutzend Hauptfiguren aus unterschiedlichen Völkern, und trotzdem sind es eigentlich noch nicht genug. Neben all diesen Personen gibt es Gruppen, die auftauchen, eine Rolle spielen, aber ohne eigene Erzählfigur auskommen müssen und trotzdem funktionieren. Bestes Beispiel dafür sind die Skimmer. Sie leben unterhalb der Südmarksburg in einer engen Siedlung mit verzweigten Stegen und Holzhäusern direkt am und über dem Wasser. Überhaupt scheinen sie eine enge Verbindung zum Wasser zu haben und leben vom Fischfang. Jeder kennt sie und kauft ihren Fisch, aber niemand weiß genau, wie sie leben, was ihre Traditionen und Werte sind. Sie bilden eine eigene Gesellschaft in der Südmarksfeste, ihre Traditionen sind archaischer und auch hierarchischer als auf den ersten Blick sichtbar ist. Viele Menschen blicken verächtlich auf sie herab und nennen sie Fischköpfe, wagen sich aber nicht in ihre Siedlung hinein, denn sie gehen einem Kampf nicht aus dem Weg und der Zusammenhalt der Skimmer untereinander ist groß. Skimmer sind Menschen sehr ähnlich, aber ihre Arme sind kräftiger und länger, die Haut ist heller und sie besitzen kaum Kälteempfinden. Einige Skimmer werden in den Büchern etwas genauer vorgestellt, sie spielen auch für die Handlung eine Rolle, trotzdem bleiben sie insgesamt eher im Dunkel, was ihren Reiz ausmacht. Unwillkürlich fragt man sich, wo sie herkommen, was aus ihnen werden wird, was sie alles können, von dem wir keine Ahnung haben. Und dass sie Dinge können, von denen wir keine Ahnung haben, steht völlig außer Frage. Tad Williams hat es hier geschafft, ein Volk einzuführen, das im Buch keine eigene Stimme besitzt, nicht erklärt wird, dessen Zukunft ungewiss ist und von dem wir keine tiefergehenden Informationen haben, und trotzdem ist man fasziniert. Großes Kino.

Außerdem möchte ich den Raben Skurn vorstellen. Er hüpft in Kapitel 6 des zweiten Bandes zwischen den Zeilen hervor und ist eine meiner Lieblingsfiguren in den vier Büchern. Er besitzt eine ausgeprägte Persönlichkeit, scheint sehr alt zu sein und beherrscht die menschliche Sprache, auch wenn es die von vor etwa zweihundert Jahren ist. Außerdem hat er immer Hunger und ist ständig auf der Suche nach Fressbarem, wobei er Dinge frisst, an die ich hier noch nicht einmal denken möchte – wirklich, wirklich eklige Dinge. Man kann nicht gerade sagen, dass er eine mächtige, magische Figur ist, nein, eher eine recht armselige, gerupfte und lästige Kreatur, aber dabei nicht kleinzukriegen. Er beugt sich, wenn es notwendig ist, bleibt aber sich und seinen Versprechen treu. Er bringt etwas Leben und Humor in die ansonsten eher düstere Reise einiger Personen in den Zwielichtlanden, und nimmt dabei fast so etwas wie die Rolle eines Hofnarren an, allerdings einem mit räudigem Federkleid und kahlen Stellen. Um ihn selbst sprechen zu lassen: „Unsereins tut auch nie wieder was Unrechtes! Unsereinen hat´s nur so schlimm gehungert!“ Auch hier bleiben Vergangenheit und Herkunft im Dunkeln, der Rabe ist da, spielt seine Rolle, und die Tatsache, dass er sprechen kann, trägt enorm zum Reiz der Bücher bei.

Soviel zu Band 2. Weitere folgen!

Ein Gedanke zu „Ausgelesen: Shadowmarch – Das Spiel (Band 2). Von Tad Williams

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