Ausgelesen: Des Königs Meuchelmörder. Von Robin Hobb.

Des Königs Meuchelmörder – ein echt unglücklicher Titel für Band 2 aus dem Weitseher-Zyklus um Fitz Chivalric, den Ich-Erzähler in dieser Reihe. Glücklicherweise gibt es mittlerweile zwei überarbeitete Neuversionen mit neuem Titel (Version 1: Der Nachtmagier, Version 2: Die Gabe der Könige), die ich beide um viele Längen besser finde und die dem Buch sehr viel gerechter werden. Mein Buch ist aber nun mal die erste Version von 1996, als Fantasy-Lektüre noch etwas spezieller daherkam – man beachte die Coverillustration! Auch recht speziell.

Robin Hobb schreibt epische Geschichten, jeder Charakter wird sehr genau ausgearbeitet und bekommt viel Raum und Zeit. Das kann sensationell sein oder auch zu viel des Guten. Dasselbe gilt für die Welt der sechs Provinzen – das politische Geschehen, Intrigen, Verwicklungen und Interessenskonflikte werden aus allen möglichen Richtungen beleuchtet, man lernt die Provinzen sehr genau kennen, und manchmal möchte man gerne den ein oder anderen intriganten Prinzen gerne einen Felsen hinab stoßen, und zwar nur deshalb, damit es ein oder zwei Erzählstränge weniger gibt.

Fitz Chivalric, die Hauptfigur des Epos (denn von einer normalen Geschichte kann ich hier wirklich nicht schreiben), ist eher ein Antiheld, der zwar magische Fähigkeiten besitzt und sie zum Nutzen anderer einsetzt, sich selbst dabei aber meist schädigt, oft an seinem Schicksal verzweifelt und dennoch immer weitermacht – ein Held eben. Die magischen Anteile in dieser Fantasy-Reihe sind vorhanden, aber nicht übermächtig, es gibt keine Elfen, Trolle oder andere magischen Wesen, und das muss auch nicht sein – diese Welt spricht für sich. Eine besondere Rolle spielt Nachtauge, der Wolf, der in diesen Büchern das sein darf, was er ist: Ein Wolf, der sich mit einem Menschen anfreundet, unerwartet eine tragende Rolle im Stück erhält und sie mit Bravour spielt.

Insgesamt ist diese Reihe ein Meisterwerk, in dem man sich verlieren kann, in der man mitleidet und mitfiebert, und dabei intelligent und mit einer sprachlichen Virtuosität unterhalten wird, die man sehr selten findet. Vielleicht hätte es an einigen Stellen etwas gekürzt werden können und auch etwas weniger politische Irrungen und Wirrungen wären nett gewesen (manchmal sitzt man da, sieht vom Buch auf, atmet tief durch, weil es gerade die siebte ausführliche Beschreibung des kranken Königs gab, aber dann liest man doch weiter). Und letztlich ist es Meckern auf hohen Niveau. Wer epische, lange, sehr lange Geschichten mit extrem detailreichen Beschreibungen mag, ist hier in einer Goldmine gelandet.

Auf zu Band drei!

2 Gedanken zu „Ausgelesen: Des Königs Meuchelmörder. Von Robin Hobb.

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