Navifahrten

Mein Navi sagt mir, ich soll abbiegen, und zwar in exakt vierhundert Metern.

Ich habe aber keine Lust, da abzubiegen. Da sieht´s langweilig aus.

Das Navi weiß genau, wie resistent ich sein kann und wiederholt die Anweisung, jetzt in zweihundert Metern, abbiegen, pronto!

Nö. Will ich nicht. Und fahre geradeaus. Es kurvt gerade so schön. Und stand da vorhin auf der Karte nicht was von einem See? Wieso führt mich das Navi nicht zum See? Es sollte mich doch mittlerweile kennen.

Das Navi kämpft um die Oberhand. „Bitte wenden!“

Tja, Pech gehabt. Das Steuer gehört mir.

Das Navi schweigt. Stumm zeigt es den Weg, den ich gerade entlang fahre. Dann versucht es, mich in regelmässigen Abständen auf den geraden Pfad zurückzuführen. Ich lächle.

Nach ein paar Kilometern lenke ich ein. Na gut. Langsam bekomme ich Hunger, und der See taucht nur in weiter Entfernung kurz mal auf. Ich überlasse meinem Navi das Kommando. „Links abbiegen! Im Kreisel die dritte! Der Straße folgen! Rechts, dann schräg rechts halten, dann links…“

Woooaa! Und schon bin ich falsch. Diese Straße hier sieht eng aus. Wo bin ich? Das Navi schweigt. Es muss überlegen. Dann, mit frischer Kraft: „Rechts. Geradeaus. Folgen!“ Die Straße wird immer enger. Es gibt keine Verkehrszeichen. Der Mittelstrich ist verlorengegangen. Wald auf der einen, hohe Büsche auf der anderen Seite. Das Sträßchen schlängelt sich wie eine Kreuzotter. Was, wenn mir jetzt jemand entgegenkommt? Schwitzend umkurve ich Schlaglöcher und riesige Pfützen. Das hier wird doch wohl nicht zum Feldweg? Eine einsame, uralte Stromleitung an Holzpfählen begleitet mich noch ein Stück, dann hört auch das auf. Der Asphalt weicht Schotter. Mit Tempo fünfundzwanzig fahre ich über die knirschenden Steine. Keine Wendemöglichkeit. Mein Navi schweigt. Noch anderthalb Kilometer diese Straße entlang, lese ich.

Dann, endlich: Eine Asphaltstraße! Mit Mittelstreifen! Ich atme auf. Fünfhundert Meter weiter spricht das Navi plötzlich wieder: „Sie haben Ihr Ziel erreicht.“

Misstrauisch starre ich auf den kleinen Bildschirm. Hat es etwa gerade… Nein. Unbewegt blinkt es auf dem Zielpunkt. Trotzdem. Wenn ich mich nicht sehr irre, klang da tiefe Befriedigung aus seinem Schlusssatz.

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