Ausgelesen: Mord im Praetorium. Von Cay Rademacher.

Dieses Buch war ein Experiment. Von Cay Rademacher habe ich die drei Hamburg-Bände (Der Trümmermörder, Der Schieber, Der Fälscher) gelesen und war restlos begeistert. Hamburg im eisigen Nachkriegswinter 1945/46, ein Ermittler, der gerade so den Krieg hinter sich gelassen, aber noch lange nicht verarbeitet hat, und die zerstörte Innenstadt als Schauplatz, all das ist so kongenial erzählt, dass auf meinen eigenen Fensterscheiben im Sommer Frostblumen wuchsen und ich in meiner Wohnung den staubigen Schutt der Trümmer unter meinen Füßen gespürt habe. Sehr, sehr große Empfehlung, auch für alle, die sich weniger für Krimis und mehr für hochspannende deutsche Geschichte interessieren. Am liebsten würde ich allen, die jetzt zweifelnd gucken, die Bücher in den Arm drücken und sagen: Komm, geh lesen. Aber das geht ja nicht. Mist.

Aber zurück zu Mord im Praetorium. Wie gesagt, ich dachte mir, probiers doch einfach mal, wer so schreibt wie oben erwähnt, das kann doch eigentlich nicht schiefgehen. Tja. Was soll ich sagen. Wenn Cay Rademacher nicht einen dermaßen großen Stein bei mir im Brett hätte, dann hätte ich das Buch wohl irgendwann beiseite gelegt. So aber habe ich es durchgelesen und – nun ja. Es ist sein erstes Buch, 1996 erschienen, und für einen Erstling ganz ok. Wenn man die Römerzeit mag und Köln, dann helfen einem die interessanten Fakten über die historischen Bezüge, wenn man weniger interessiert ist – ohje. Die Figuren haben wunderbare Namen, bleiben aber blass. Die Handlung kommt nur langsam in Schwung, und ich konnte mich den ganzen Roman über nicht entscheiden, ob ich die Hauptfigur nun mag oder nicht, auch, weil ich sie einfach nicht kennengelernt habe. Es hilft auch nicht, dass der Verlag (edition sisyphos) meiner Meinung nach im ganzen Text immer wieder grundlos Absätze eingefügt hat, die den Lesefluss ständig unterbrechen. Ich habe die Originalversion von 1996 gelesen, es gibt mittlerweile eine überarbeitete Neuausgabe, es mag sein, dass alle diese Dinge dort verbessert wurden.

Wie gesagt, das Buch war ein Experiment. Hochinteressant finde ich den Unterschied von 1996 bis jetzt zu den aktuellen Büchern von Cay Rademacher, da hat es auf jeden Fall eine enorme Weiterentwicklung gegeben. Und unter diesem Aspekt habe ich auch dieses Buch gern gelesen, das ist, als ob man beim Autor ins Fotoalbum guckt und sagt: Schau mal, da ist er ja noch so klein, niedlich, aber hier, whow, da ist er aber gewachsen, gut sieht er heute aus! Insofern freue mich mich über neue Bücher von ihm, und vielleicht probiere ich auch nochmal ein älteres aus, wer weiß.

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