Ausgelesen: Die Sonne der Sterbenden. Von Jean-Claude Izzo.

Es gibt Bücher, die machen etwas mit einem. Dieses gehört dazu. Auf schmalen 204 Seiten wird das Leben eines Verlorenen in einer kompromißlosen Abwärtsspirale ausgebreitet, trostlos in seiner Konsequenz und ohne den Hoffnungsfunken, der so viele andere Geschichten durchzieht. Von der ersten Seite an ist klar, wie es enden wird, und so, wie es beginnt, so endet es auch: Mit dem Tod.
Dabei ist das Buch nie grausam gegen seine Protagonisten, es beschreibt ohne Beschönigung, manchmal auch poetisch den immer weitergehenden Abstieg einer Randexistenz, ohne sich über sie zu erheben oder sich über sie lustig zu machen. Bei aller Tragik ist es ein Buch voller Liebe für seine am Leben scheiternden Hauptdarsteller.
Ich habe mir bei einem Buch selten gewünscht, dass die Figuren doch bitte Gott kennenlernen möchten. Dieses Mal habe ich es mir gewünscht, sehr sogar, aber der einzige kurze Abschnitt, der eine Begegnung mit Kirche beschreibt, ist genauso konsequent wie der Rest des Buches: Auch die Angestellten der Kirche scheitern an sich selbst, an ihren gutgemeinten, zu hohen Forderungen und an ihrer Unfähigkeit, die Härten eines Lebens auf der Straße nachvollziehen zu können.
Dieses Buch ist wie Schnee in der Kehle, am Anfang interessant, dann kalt, dann schmerzhaft. Ich bin froh, es gelesen zu haben.

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