Herbstfrühstück

Sonntagmorgen, kurz nach dem Aufstehen. Draußen ist es frostig kalt, die Sonne geht gerade auf und bringt die kleinen Eiskristalle an Ästen und auf Autodächern zum Leuchten. Die letzten Herbstblätter glänzen goldbraun und gelb im Gegenlicht.

Eigentlich wollte ich gerade Frühstück machen, aber nun hänge ich vor dem Küchenfenster und kann mich von all der Schönheit da draußen nicht losreißen. Und dann kommt mir eine Idee. Wer könnte mich aufhalten? Niemand wird mich für verrückt erklären oder meckern – Vorteile eines Singlelebens. Ich werfe den Wasserkocher an und zehn Minuten später sitze ich auf dem Fahrrad und radele durch den klaren, kalten Morgen zum Bäcker meines Vertrauens. Drinnen duftet es nach frischen Brötchen, die Scheiben des Verkaufsraums sind von innen beschlagen.

Mit zwei noch warmen Schoko-Croissants beladen fahre ich weiter zu meinem Lieblingsplatz im Stadtwald. Die Bank ist mit Raureif überzogen, vor mir stehen Pferde im Morgennebel, ihre Silhouetten bewegen sich im hellen Gegenlicht langsam über die Weide. Ich schenke mir Tee ein und puste vorsichtig auf die heiße Flüssigkeit. Dampf steigt auf. Die Croissants zergehen knusprig schokoladig auf der Zunge, während die Sonne höher steigt. Ab und zu höre ich Vogelstimmen, die Pferde rupfen leise schnaubend Grashalme. Es ist still, alles leuchtet, auch in mir. Als ich mich etwas später auf den Weg zum Gottesdienst mache, hatte ich meinen eigentlich schon – hell und ruhig, ganz ohne Worte.

raureif

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